Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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Offiziers-Waffen und Jagdgewehre. Auf einem Tische stand eine Elektrisiermaschine, auf einem anderen Meßinstrumente und in einem mächtigen Glaskasten glänzten in schönem Einbände Milots Weltgeschichte, Junkes Naturlehre, die erste Ausgabe von Goethes Werken, Kotzebues Schau- und Lustspiele, Adolf Bäuerles Wiener Volksstücke, Taschenspieler-Geheimnisse, Werke über Bierbrauerei, Ackerbau, Forstkultur, nur wenige Romane; kein Buch in tschechischer Sprache, deren der Hausherr vollkommen kundig war. Auf einem langen Tische lagen Rechnungen, Akten, allerlei Geschäftsbücher, vor denen der Kastner saß und arbeitete, wenn die ihm obliegende Aufsicht der herrschaftlichen Feldarbeiten durch den Winter unterbrochen war. Schenda war ein streng gebietender Beamter. Die Feldarbeiter zitterten vor ihm. Im Hause wagten weder die Gattin noch die Kinder ein lautes Wort zu sprechen; er selbst ließ, wenn er, rasch in Zorn aufbrausend, sprach, fast nur Flüche hören. Er aß allein in seiner Stube. Die Kinder, denen er kaum eine Zärtlichkeit widmete, wichen fast scheu ihm aus. Und doch wohnte in der Brust des schroffen, wortkargen Mannes ein tieferes Gemütsleben. So hob er sein Mädchen in einer späten Sommernacht aus dem Bette, ebenso den Knaben und indem er das erstere auf dem Arme trug und diesen an der Hand führte, ging er mit ihnen in den Schloßpark, damit sie die Nachtigallen schlagen hörten, erklärte ihnen einzelne Sternbilder und erzählte ihnen die Märchen von Rübezahl. An ihrem siebenten Geburtstage pflanzte er je einen Baum in dem ihm in der Chraschitzer Vorstadt gehörigen Gemüsegarten. Selbst kleinere Stammbuchverse gelangen ihm, seltsamer Weise nur in tschechischer Sprache. Dieses sich widersprechende Wesen des Mannes hatte einen traurigen Erklärungsgrund. Er war dem Trünke ergeben, nur zu Zeiten, dann aber Tage und Nächte lang, ununterbrochen, in welchem Zustande er jeder Gewaltsamkeit fähig war. Wenn er aus solchem Tun, wüsten Kopfes erwachte, war er mürrisch, fast bis zu Stummheit wortkarg. Es war, als verdrieße ihn das Leben. Unter solchen Umständen trübte sich wohl allmählich die Ehe und der Friede des Hauses. Man sprach davon, daß er seine Gattin schlage. Niemals kam eine Klage über ihre Lippen und wenn sie ihre Geschwister, da dergleichen nicht verborgen blieb, fragten und zu trösten suchten, brach sie das Gespräch rasch ab mit den Worten; 78