Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 76 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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kaufte die veiwitwete Mutter, ihre anderen Kinder verkürzend, einige Äcker, um den unglücklichen, von ihr zumeist geliebten Sohn vom Militär loszukaufen. Bald darauf stellte der in Chrast residierende Königgrätzer Bischof Graf Trautmannsdorf den jungen sehr befähigten Mann, trotz seiner mehr als bedenklichen Vergangenheit als herrschaftlichen Kastner beim Wirtschaftsamte an. Wegen einer nicht zu entschuldigenden Treulosigkeit entließ er ihn, ohne die Angelegenheit der Behörde zur Kenntnis zu bringen, und riet ihm, wieder Militärdienste zu nehmen. Das für Österreich verhängnisvolle Jahr 1809 unterstützte den Rat des Bischofs. Die Landwehr war zu den Waffen gerufen. Johann Schenda ließ sich assentieren, wurde sofort, seiner Intelligenz und seiner energischen Gestalt wegen, als Fähnrich eingereiht und schon noch einem Jahre zum Leutnant, bald darauf zum Oberleutnant befördert. Nach vollendeter Dienstzeit kam er nach Chrast zurück. Die edle Gestalt des jungen Offiziers, — er war hoch und schlank emporgewachsen — seine dunklen Haare und hellblauen Augen zogen die Blicke der Frauen und Mädchen an; auch die der nunmehr zwanzigjährigen, schönen Fradel, die den Mann freilich nicht wieder erkannte, den sie einst blutübergossen in Chrudim niederstürzen gesehen hatte. Der Bischof vergaß den Fehltritt des Heimgekehrten und stellt ihn wieder als Kastner an. Nur die Mutter des, wie sie bald beobachten konnte, in den schmucken Mann verliebten Mädchens vergaß seinen verbrecherischen Leichtsinn nicht mehr und wehrte streng der Tochter den Umgang mit ihm, umso energischer, als die Liebe eines Christen für eine Jüdin zu keiner rechtschaffenen ehelichen Verbindung führen konnte. Eines Tages war das Mädchen verschwunden und wurde vergebens gesucht, bis die Ihren erfuhren, daß sie sich in dem mehrere Stunden entfernten Dorfe Nassaberg im Pfarrhofe befinde, um Unterricht in der christlichen Religion zu empfangen. Keine Schilderung des Familienjammers, kein herzerschütterndes Zureden, keine Drohung rührte das Herz des Mädchens. Sie blieb ihrem Vorsatze, das Weib des geliebten Mannes zu werden, treu und sehnte sich nach der Taufe. Die Liebenden sollen nur selten des Nachts im nahen Walde sich heimlich gesehen haben. Im Jahre 1810, am 1. Sonntag nach Pfingsten, am Feste der h. Dreifaltigkeit — es war ein sonnenheller Tag — strömten alle Bewohner Chrasts und der umliegenden Dörfer in die Kirche. Die 76