Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 74 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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Napoleon mit und rückte mit den Alliierten in Paris ein. Hier begrüßte ihn eine Landsmännin aus Chrast, die als Marketenderin ebenfalls dahin gekommen war und brachte, in ihre Heimat zurückgekehrt, der Familie Nachrichten von dem verschollenen Sohne mit. Viel später, von Sehnsucht nach der Heimat erfaßt, kam er noch einmal nach Chrast, um seine Mutter und seine Geschwister wieder zu sehen. Epileptischen Anfällen unterworfen, starb er im Jahre 1817 im Garnisonsspitale zu Prag. Ich kam später in den Besitz seines Porträts, das ihn als einen nicht großen, schönen Mann, mit braunen Haaren und sprechenden dunklen Augen darstellt. Das ist alles, was ich von diesem Menschenleben weiß. Ein weit tieferer Schmerz, weil sich die ihn veranlassende Ursache in der nächsten Nähe der Familie abspielte, sollte das Herz der Mutter treffen und erst mit ihr selbst zu Grabe gehn. In Chrudim hatten die Kinder an einem Vormittage die Schule verlassen. Sie kamen an der Kaserne vorüber, vor der sich viele Menschen versammelt hatten. Einige der Kinder drängten sich durch und gelangten in den Hofraum. Hier war eine Kompagnie Soldaten aufgestellt und zwar so, daß sie ein Spalier bildeten; jeder von ihnen hielt eine Rute in der Hand. Zwischen durch hatte ein Kamerad, wegen Desertion, Spitzruten zu laufen. Ein Offizier hieß die Trommel rühren und der Deserteur, bis an die Hüften nackt, wurde von zwei Kaporalen zwischen die ersten des Mannschaftsspaliers gestellt. Der Offizier kommandierte und der Mann fing an durch die verhängnisvolle Allee zu schreiten. Langsam mußte er schreiten, trotzdem die Strafe Spitzruten laufen heißt, damit jeder der Soldaten einen Hieb auf seinen Rücken führen konnte. Schon nach dem ersten Gange zeigte der Rücken rote Striemen, beim dritten blutete er schon. So ging es zehnmal auf und ab, da brach der zu Tod Gequälte, Blut überströmt, ächzend, wie ein Tier, zusamrnen. Wieder ein Trommelwirbel und vier Kameraden hoben den bewußtlos gewordenen vom Boden empor und trugen ihn in das Hospital. Diesem entsetzlichen Schauspiel sahen die Kinder mehr neugierig als erbarmungsvoll zu. Unter ihnen stand ein Mädchen von zehn Jahren, das sich durch ihr schwarzes Haar, durch ihre großen dunklen Augen von ihren blonden tschechischen Mitschülerinnen unterschied. Ihre Kleidung ließ erkennen, daß sie einer wohlhaben- 74