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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-09-01 · 1 (September 1931) · p. Seite 73

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
1 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 73 (sequence 75)
Language
German
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Zeremonien und Gebräuche des Judentums neugierig erklären ließ. Der Segen blieb nicht lange aus, der in rascher Aufeinanderfolge in zwei Knaben und fünf Mädchen plastischen Ausdruck fand. Die ersteren erhielten in der von dem Kapuziner-Konvent geführten Schule, die Mädchen in der allgemeinen Stadtschule Unterricht. Hier lernten sie, während in der Familie deutsch die Umgangssprache war, tschechisch reden und schreiben, was zu gemeinschaftlich sympathischem Zusammenleben mit den christlichen Mitschülern und deren Eltern führte. Lazar Fränkel zählte bald zu den Honorationen der Stadt. Angesehene Bürger und höher gestellte Beamte waren nicht selten Gäste der Familie, welche die schöne, geistig begabte Hausfrau anmutig zu begrüßen und bei heiteren Familienfesten zu bewirten verstand. Der plötzliche Tod Lazars machte diesem glücklichen Leben ein jähes Ende. Da die Witwe nicht die für den Distriktsverlag in Chrudim nötige Kaution besaß, veranlaßte ihr Bruder Israel von Hönigsberg, daß derselbe geteilt und der geringere Teil nach dem zwei Stunden von Chrudim entfernten Chrast verlegt wurde. Das Besitzrecht des neu geschaffenen Distriktsverlages wurde der Witwe Marianne Fränkel und ihrem ältesten Sohne Leopold zu gleichen Teilen verliehen. Im Jahre 1792 kam Marianne Fränkl, wie sie sich jetzt selbst schrieb, mit ihren 7 Kindern nach Chrast und bezog auf dem Hauptplatze neben der Dekanatskirche eine mäßige Wohnstätte. Ich weiß von dem hier sich abspielenden Familienleben nichts; nur zwei, dasselbe mächtig erschütternde Ereignisse hörte ich in späteren Jahren wiederholt erzählen. Bernhard, der jüngere von den beiden Söhnen Mariannens, noch nicht 15 Jahre alt, war, ich weiß nicht aus welchem Grunde, eines Tages aus dem Hause verschwunden. Er ließ sich taufen, wobei er den Namen Franz erhielt, und trat, freiwillig oder gezwungen, in die untergeordnetste Abteilung der österreichischen Armee, in ein Fuhrwesen-Regiment als gemeiner Soldat. So kam er auch nach Wien und stellte sich seinem Oheim Israel von Hönigsberg vor. Sich des gemeinen Soldaten schämend oder erbarmend, kaufte der ihm, was damals nicht schwer möglich war, das Patent eines Offiziers. Als solcher machte er die Feldzüge gegen 73

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