Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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schön, hellblond, blauäugig, und was in damaliger Zeit für sehr merkwürdig galt, sie war deutsch belesen und sprach französisch. Die im hohen Alter noch schöne Matrone erzählte es gerne, welche Huldigung ihr vom Kaiser Josef II. zu Teil geworden war. Als er sie, an ihrer Wohnung vorbeireitend, sah, sagte er zu seinem Adjutanten, so laut, daß sie es hören mußte: „Ich hätte nicht geglaubt, daß in Böhmen so Schönes wächst" Lazar Fränkel, der von stattlicher, männlich edler Erscheinung war, verlobte sich unter freudiger Zustimmung der Eltern mit ihr. Eine mäßige Mitgift wurde durch Verleihung eines großen k. k Siegel- und Tabakgefällen- Distriktsverlages in Chrudim reichlich erhöht. Nach bald in Kuttenplan vollzogener Vermählung begab sich das junge Ehepaar nach dem genannten Bestimmungsort. Bald nach ihrer Vermählung starb der Vater der jungen Frau nach einem arbeit- und erfolgreichen Leben. Sein Andenken ist in Kuttenplan durch ein letztwilliges Vermächtnis erhalten. Die Urkunde darüber hat sein Freund Benedikt Veith, der Vater des nachmals berühmt gewordenen Dompredigers Emanuel Veith, verfaßt. Sie bestimmt, daß die Zinsen von 2000 fl. für fromme Werke verwendet werden sollen. Chrudim ist eine uralte tschechische kgl. Leibgedingstadt, die einem der sechzehn Kreise Böhmens den Namen gibt. Sie selbst erhielt ihn von dem unweit entsprungenen Flüßchen Chrudimka, das sich in die Elbe ergießt. In der Hauptkirche wird ein Christusbildnis besonders verwahrt, um welches, während die Schweden hier hausten, zwei Soldaten würfelten. Der Verlierende stach demselben ins Herz, worauf aus demselben Blut floß. In neuerer Zeit ist Chrudim als Geburtsstadt des Erfinders der Dampfschiffschraube, J. Ressel, genannt worden. Das junge Ehepaar bezog auf dem Ringplatze eine Wohnung und befestigte den österreichischen Doppeladler an der Front des Hauses. Bis dahin war es keinem Juden gestattet, in Chrudim zu wohnen, und wenn der kaiserliche Adler, den sonst nur das k, k. Kreisamt führen durfte, das Staunen der Bewohner weckte, verschaffte er der Familie Fränkel zugleich ein bevorzugtes Ansehen. Es gestaltete sich bald ein freundliches Zusammenleben mit der katholischen Bevölkerung, welche die fromme und sittlich strenge Führung des Judenhauses achten lernte und sich die ihr fremden 72