Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 57 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2416673-2416680-2416682--0389-2417107- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
feldes, sich gleichzeitig — wie oben erwähnt — e*ine Chewra-Kadischa bildete, welcher bei Kran'ken, Sterbenden und Toten notwendigen Liebesdienste ausübende „Heilige Verein", der Krystallisationspunkt jeder jüdischen Gemeinde zu sein pflegt. — Während wir nun weiters allen Grund zur Annahme haben, daß zur Zeit des Chmielniczkyschen Kosakenaufstandes in Polen (1648, rmmW)' welcher viele Tausende unserer dortigen unglücklichen Glaubensgenossen zur Flucht nach West- und Südeuropa trieb, einige dieser Flüchtlinge auch nach Stupava (Stampfen) kamen, ist es kaum zu vermuten, daß zur Zeit der letzten Judenvertreibung aus Wien (1670) eine Anzahl aus dieser nahegelegenen Stadt vertriebenen Juden sich in Stupava niedergelassen hätten, da die Wiener Regierung durch strengen Erlaß darauf achtete, daß jüdische Exulanten sich nicht in den nachbarlichen ungarischen Ortschaften ansässig machen.7) Übrigens waren um diese Zeit gerade die an den Kleinen Karpathen liegenden Dörfer nicht geeignet, jüdische Ansiedler anzulocken, nachdem in dieser Zeit der westliche Teil der Preßburger und Neutraer Gespanschaften der Schauplatz schwerer und blutiger Reibungen zwischen Protestanten und Katholiken war, in denen es oft auch zu hellem Aufruhr kam. — Einen Stupavaer Glaubensgenossen jener Zeit kennen wir aus einer anderen Quelle. Es ist dies der reiche und angesehene Hirsch Lasels, EHM) (vT^TK1? der einer der edelsten Männer seiner Zeit war und im Verein mit Samuel Heidelberg, dem später unter dem Namen Samuel Oppenheim bekannteren Hoffactor, den bei der Rückeroberung Ofens (1686) in Gefangenschaft geratenen Isak Schulhof aus der rauhen Soldatenhand loskaufte.8) Über diesen Hirsch Lasels, der lange Zeit an der Spitze der Gemeinde Stupava stand, u. hier seine letzte Ruhestätte fand, wird noch in den nächsten Kapiteln ausführlich berichtet. Zu dieser Zeit , hatten die Juden in Stupava schon eine regelrecht organisierte Gemeinde, an deren Spitze der Rabbiner Mayer Katzenelnbogen (oder Eisenstadt) stand, von welchem später noch des Näheren die Rede sein wird. Zu Beginn des 18. Jahrhundertes waren die auch diese Gegend unsicher machen- 7) Siehe Kaufm. „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien'*, S. 171. 8) Kohn: Heber Kütforräsok es adatok Bpest 1881. S. 132. u. Kaufmann^ Samson Wertheimer S. 5. 57