Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahre 1763 ist das herrschaftliche Beylager allhier recht feyerlich vollzogen worden. Die Judenschaft errichtete hiebey ihre Triumphpforte und es zelebrierten dazumahl 12 Brautpaare zugleich ihren Hochzeittag, die sich dann im erst gemeldeten Hofe im Angesichte der anwesenden Herrschaften und viel anderer Zuschauer bey 24 Dudelsackpfeifern, jede Parthey abgesondert, darstellten. Ostwärts des Kastells ist ein schöner weitläufiger Garten mit Alleen und Obstbäumen versehen. Ein Bach fließt durch und kann leicht, wenn es nötig ist, in die Graben, die um das Kastell geführet sind, geleitet werden. Außerdem befinden sich hier verschiedene Gebäude zur Landökonomie und ein Wirtshaus. In den ältern Zeiten sind in dem hiesigen Thiergarten weiße Haasen und andere seltene Thiere gezogen worden, weil die damahiige Grundherrschaft viel Vergnügen daran fand. Auch fehlte es hier nicht an Fischteichen. In den letztern Rakotzischen Unruhen hatte das Kastell das Schicksal von allen seinen Moebein entblößet zu werden. Die Soldaten verschonten sogar die kostbaren Spalieren nicht. Bey gemachten Frieden aber ließ die Herrschaft alles wieder erneuern und die Zimmer aufs neue mit kostbaren Meubeln versehen. Es befinden sich allhier ein Schmiedmeister Joh. Schorn, welcher wegen seiner glücklichen Kuren berühmt ist." D5) — Unter den vielen jüdischen Gemeinden, die vornehmlich durch die wohl auch eigenem Interesse entspringenden Begünstigung adeliger Grundherrn in und an den Kleinen Karpathen entstanden sind, ist eine der ältesten, die Judengemeinde des im Marchtale am Fuße eines Berges freundlich gelegenen Marktfleckens Stupava, deutsch: Stampfen, ungarisch: Stomfa, in der hebräischen Umgangssprache ^fiÖKÖ» , manchmal ^BÖB», auch öfters ^lBIED* Die vorteilhafte, geographische Lage des Ortes, unweit der Grenze Ungarns, Niederösterreichs und Mährens, an der über Holiö, Skalice nach Olmütz und Breslau führenden alten Handelsstraße, hauptsächlich aber das Wohlwollen der gräflidh Pallfy'schen Magnatenfamilie, veranlaßte schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einzelne Juden in diesem Orte ihr neues Heim zu gründen. Auch die in dieser Gegend betriebene bessere Agrikultur und Kleinindustrie, 5) Dieses Zeichen □ bedeutet, daß im Jahre 1786, in welchem Jaihire Korabinsky's Ortslexikon herausgegeben wurde, in Stampfen eine Synagoge bestand. 55