Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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strecken, wovon sie mit 12 Schock Jakobs Forderung befriedigte. Für das Darlehen räumte sie dem Amschel das Haus ein mit der Befugnis, es zu verkaufen oder zu verpfänden, wenn er nach drei Jahren sein Geld nicht erhalten hätte. Da dies weder in drei Jahren nach späterhin der Fall war, übertrug Amschel seine Rechtsforderung dem Pfandherrn, zuerst im Jahre 1512 und noch einmal im Jahre 1515. Den gleichen Betrag von 24 Schock Schwertgeld hatte auf einem anderen Hause die Preunl Jüdin zu fordern; ihr wurde 1521 vom Rate zu diesem Gelde verholfen. Ein Eliasch J. hatte im Jahre 1506 ein Haus vor dem Niklasdorfer (jetzt Heiligen-) Tor inne, das ihm aber im Stadtbuch nicht verschrieben war und worüber er von der früheren Besitzerin lediglich einen Kaufbrief besaß. Alle diese Häuser waren bereits im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, eines 1526, in Christenhände übergegangen, als letztes befand sich noch auffallend lange ein Häuslein im Besitze der Jüdin Henslwr, es lag gleichfalls in der Wassergasse, die eine Zeitlang auch Judengasse genannt wurde, und vor ihm ward im Jahre 1552 am 24. Juni, noch zu Lebzeiten des Hensch J., ein Bauer im Streit erschlagen. 1560 war auch dieses schon einige.Zeit hindurch Eigentum eines Christen. Dies war der letzte nachweisbare jüdische Hausbesitz in Kaaden für Jahrhunderte, denn erst die neueste Zeit lernte wiederum Juden als Kaadner Hauseigentümer kennen. Der eben behandelte Zeitraum war in der Geschichte der Kaadner Juden für diese der erfreulichste, wo sie als vollbürgerliche Hausherren ihren Geschäften nachgingen unter dem weitreichenden Schutze eines adeligen Gönners^ des auf dem nahen Schlosse Hassenstein und später in der Kaadner Burg residierenden Herrn Johann von Lobkowitz und Hassenstein, mit dem sie viel geschäftlichen Verkehr pflegten und der sie sichtlich begünstigte. Daß sie sich aber trotzdem nicht an den Stadtgrund banden, sondern von ihrem Geschäftssinn und Handelsgeiste immer wieder in andere Orte geführt wurden, das ist wohl der Hauptgrund des überraschend häufigen Wechsels in ihrem Hausbesitz. Ihre Freizügigkeit scheint nicht gehemmt gewesen zu sein. Der niedrige und dabei immer schwankende jüdische Seelenstand läßt es nicht wahrscheinlich sein, daß in Kaaden in jener Zeit eine behördlich geordnete Judengemeinde bestand. Es wird in den Urkunden und Amtsbüchern auch nirgends ein Vorsteher oder Ältester genannt, der durch 26