Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Schammes hatte auf dem Markt neben den Einnahmen für die Behörden und das Land20) auch von jedem Juden aus seinem Lande eine gewisse Gebühr einzufordern, die wahrscheinlich ursprünglich als Mäkel21) oder Vermittlungsgebühr gedacht war, da ja der Schammes auf dem Marktorte nur als Agent und Vertreter weilen, aber eigene Geschäfte nicht betreiben durfte. II. Nach Breslau pflegen die mährischen Juden schon früh zu kommen; bereits 1559 handelten Leipniker Juden nach Breslau.22) Sie stießen in Breslau aber sowohl auf den Widerstand der einheimischen Kaufleute, denen sie durch ihren Warenhandel Konkurrenz machten, als auch auf die Konkurrenz der polnischen Juden, die den stärksten Anteil der Breslauer Meßbesucher ausmachten und zur Hebung der Breslauer Messen viel beitrugen. Daher war die Zahl der mährischen Juden in Breslau nie sehr groß; mit den böhmischen Juden zusammen stellten sie jeweils kaum ein Viertel der Marktbesucher. Stärker wird ihr Marktbesuch und ihr Handel in Breslau nach dem dreißigjährigen Krieg und den Judenverfolgungen in Polen, die zahlreiche Flüchtlinge auch zu ihnen getrieben hatten. Proßnitzer23) und Holleschauer24) Juden betrieben bereits in der Zeit von 1650—1660 einen lebhaften Handel mit Breslau. Die mährischen Juden führten in Breslau Leder ein, das sie billiger als die Breslauer Kaufleute, die es aus Hamburg und Danzig kommen ließen, liefern konnten. Während die Schuhmacher damit zufrieden waren, beschwerten sich die Kaufleute 1662 darüber beim Rat.25) 1677 beantragte die mährische Judenschaft, daß man ihr auch außerhalb der Jahrmärkte in Breslau den freien Handel erlaube; sie hatte sich deswegen an das Oberamt gewandt, wurde aber — wie schon vorher die Zülzer und Glogauer Judenschaft — ebenfalls abschlägig beschieden.26) Nochmals versuchte sie 1689, im Bunde mit der Glogauer Judenschaft vom Kaiser die Aufhebung der ihren Handel in Breslau einschränkenden Bestimmungen zu erlangen. Der Kaiser übergab die Angelegenheit dem Oberamt, das am 14. September 1689 vom Rat darüber Bericht einforderte, der am 21. No- 6