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Palästina · 1910-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 4-5
Article
Rischon-le-Zion
Date
1910-01-01
Page
Seite 85 (sequence 4)
Language
German
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und sich auf eigene Füsse zu stellen. In dieser Beziehung bedeutet der Uebergang aus der Rothschildschen Verwaltung an die kapitalkräftige englisch-jüdische Kolonisationsgesellschart (Jewish Colonisation Association) ein Ereignis, insofern nun an die Stelle des Unterstützungssystems das Darlehenssystem trat und die ganze Verwaltung mehr in das Licht der Öffentlichkeit rückte. Auch die Kellereien sind jetzt von dem Baron an ein aus den jüdischen Weinbauern gebildetes Syndikat übergeben worden, die Trauben werden nicht mehr an die Administration geliefert, sondern eine Reihe von Gesellschaften versucht, den Weltmarkt zu erschliessen; infolgedessen steht für die Zukunft eine gleiehmässigere Entwickelung der Wein-Industrie zu erhoffen. Die inneren Angelegenheiten von Rischon werden von einem selbstständigen Kolonistenrat verwaltet, der wiederum die einzelnen Angelegenheiten in 30 verschiedenen Arbeitskommissionen regelt. An öffentlichen Gebäuden unterhält die Kolonie eine Synagoge, eine Schule, einen Kindergarten, eine Bibliothek, ein Gemeindehaus, Hospital, Apotheke und öffentliches Bad. Die Schule und Synagoge liegen in der Mitte des Dorfes auf einem Hügel, von dem man über die Dünen auf das Meer sieht. Auf einem zweiten Hügel liegen die Gebäude der Administration; um diese Hügel gruppiert sich die ganze Siedelung. Den Verkehr mit der Aussenwelt unterhalten zwei Postämter als Filialen der deutschen und österreichischen Postanstalten in Jaffa; von 48 verschiedenen Zeitungen in sieben Sprachen wurden 1905 135 Exemplare gehalten, darunter von nichtjüdischen die „Neue freie Presse", die „Berliner Abendzeitung", die „Woche", eine Apothekerzeitung und ein zahnärztliches Fachblatt. Von der Vielgestaltigkeit der Interessen und des inneren Lebens zeugt auch, dass in Rischon mehr als zehn Sprachen gesprochen werden, obwohl das Hebräische sich immer mehr als die Einheits- und Umgangssprache einbürgert. In bewegten Zeiten abonniert die Kolonie sogar auf die „Reutersehen Telegramme", die per Post von Aegypten kommen und amt Gemeindehaus angeschlagen werden. Dies Gemeindehaus birg auch Bibliothek und Lesehalle, die beide von der Bevölkerung fleissig benuzt werden. Zur Unterhaltung und Fortbildung werden ausserdemhäufig Konzerte und Vortragsabende veranstaltet, an denen landwirtschaftliche, geschichtliche oder andere allgemein interessierende Themata behandelt werden. Früher pflegte an den jüdischen Feiertagen auch die Jugend von Rinchon Lezion in fröhlicher Schar gemeinsam nach Jerusalem zu wandern und dort zu feiern. Dieser bedeutungsvolle Brauch ist geschwunden, aber der Gründungstag der ersten jüdischen Bauernniederlassung im heiligen Lande wird Jahr für Jahr festlich begangen. Dr. Tschlenow brachte dem 8. Zionisten-Kongress aus Rischon brüderlichen Gruss und die Botschaft zurück: „Unsere Bewegung hat sich drei Ziele gestellt; sie erstrebt: ein Volk, ein Land, eine Sprache, die noch vor kurzem — von manchem auch jetzt noch für tot erklärt wurden, neu zu beleben. Jede dieser drei Aufgaben ist gewaltig schwer, und es ist nicht zu verwun- 85

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