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Palästina · 1910-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 4-5
Article
Rischon-le-Zion
Date
1910-01-01
Page
Seite 86 (sequence 5)
Language
German
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dem, wenn bei diesem oder jenem manchmal Zweifel auftauchen: sind die Aufgaben lösbar? entsprechen sie den menschlichen Kräften? Die verflossenen 25 Jahre waren eine Probe, die das Land, das Volk und die Sprache zu überstehen hatten. Und nun rufe ich allen Schwankenden und Zweifelnden zu: Geht ins Land, da werdet Ihr sehen, wie öde, verlassene Strecken zu Paradieseswinkeln von unsern Brüdern umgewandelt wurden. Besuchen Sie die Schulen, gehen Sie in die Strassen der Kolonien, wo die Kinder spielen. Da werdet Ihr hören, wie unsere Muttersprache lebt und klingt. Besuchen Sie die Häuser, die Leute, dringen Sie ins öffentliche Leben hinein, und Sie werden fühlen, dass etwas Neues, nicht Dagewesenes, Eigenartiges entsteht: ein jüdisches Leben, jüdisches Denken und Fühlen." Wie modern und fortschrittlich das Leben in Rischon einherflutet, davon legt der Streik Zeugnis ab, den die Kolonie in dem abgelaufenen Jubiläumsjahr erlebt hat. Unter den osteuropäischen Einwanderern befinden sich nämlich manche, die durch die Verhältnisse ihrer russischen Heimat dem Sozialismus in die Arme gedrängt sind. Sie haben sich in Russland zu der Arbeiterorganisation der „Poale Zion" zusammengeschlossen, und die Auswanderer haben nun in die Arbeitermasse von Rischon den Streikgedanken hineingetragen. Arbeitseinstellung in den Kellereien und allerlei Konflikte waren die unliebsame Folge. Uebrigens ist der Streik auch in Jerusalem modern. Wenigstens liess sich die „Köln. V.-Ztg.tf im verflossenen Jahre von einem Streik der Kutscher oder besser der Wagenbesitzer berichten, der die Folge eines städtischen Tarifs für den Wagenverkehr sein sollte. Aber es bliebe doch zu wünschen, dass die jüdischen Dörfer von derartigen fortschrittlichen Errungenschaften, die den stillen Gang der Entwickelung hemmen und in das friedliche Zusammenleben der Bevölkerung einen Keil treiben, noch recht lange verschont blieben, damit sie das ungünstige Urteil, das sich dem Reisenden in Jerusalem durch die dortigen jüdischen Verhältnisse wohl aufdrängt, wieder zurechtstellen können. Denn die jüdischen Dörfer Palästinas sind heute in ihrer überwiegenden Zahl keine Renommierdörfer, auch keine Pflegestätten der Philanthrophie mehr, sondern es sind Plätze der Kulturvermittlung und Stätten jüdischer Arbeitsenergien, die oft fruchtlos vergeudet sind, hier aber den Boden gefunden haben, der ihrem Suchen und Streben Resonanz gibt; und sie tragen in einer leidlich befriedigenden Gegenwart das Angeld einer befriedigenden, glücklichen und gesunden Zukunft in sich. SSgls§ 86

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