Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das palästinische Arabisch
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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treues Bild einer irgendwo vorhandenen sprachlichen Wirklichkeit nicht sein kann. Wieviel nach den Arbeiten von Lohr und Spoer noch zu leisten blieb, mögen Beispiele aus ihrer Lautlehre erläutern. Für die Aussprache des k gibt Lohr an, es werde von den Städtern häufig wie Hamze gesprochen, derselbe Mensch brauche bald diese Aussprache, bald die Aussprache als emphatisches k, während es bei dem Fellachen „einfach wie k-f" laute. Spoer bemerkt zu demselben Konsonanten: „deep throat k", sometimes g as in go". Der letztere scheint somit das tief gesprochene k der Libanesen, welches Palästina fremd ist, für normativ zu halten; er erwähnt daneben eine Aussprache als g, welche fast nur beduinisch, und ostpalästinisch ist, unterlässt aber auf die Aussprache des k als Hamze bei allen palästinischen Städtern aufmerksam zu machen. Lohr dagegen erwähnt zwar die letztere, zeigt aber, dass er mit echten Städtern wohl gar nicht verkehrt hat, welche durchaus das k stets als Hamze sprechen, und erweckt ausserdem den Anschein, als sei das k der Fellachen unser deutsches k, was ja keineswegs der Fall ist. Bei g hat Lohr die städtische Aussprache als französisches j mit Recht betont, hätte aber das bäuerliche und beduinische dsch nicht unerwähnt lassen sollen. Spoer erwähnt wiederum die städtische Aussprache gar nicht und bemerkt allein beduinische Aussprache als hartes g, die doch nur für den ägyptisierenden Sprachkreis als normal gelten kann. Wenn so einfache Dinge von den beiden neuesten Grammatikern nicht oder nicht richtig aufgeklärt werden, dürfte es wohl eines zuverlässigen Ratgebers für das palästinische Arabisch noch immer sehr bedürfen. Dazu kommt, dass die Teilnahme des Palästinaforschers wie des Arabisten immer zuerst der Bauernsprache des Landes gelten wird. Diese hat in Aussprache und Formen (ich erwähne nur die von Lohr und Spoer ganz ausser acht gelassenen weiblichen Pluralformen des Verbums) vieles Altertümliche bewahrt und trägt überhaupt in ganz anderer Weise den Erdgeruch Palästinas an sich als der vielen fremden Einflüssen unterstehende Dialekt der Städter. Ich habe es deshalb auf das freudigste begrüsst, dass Leonhard Bauer neben dem in Jerusalem bei den Christen vorwiegend gesprochenen Arabisch der Sprache der Fellachen seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt hat. Unter rein wissenschaftlichem Gesichtspunkt wäre vielleicht eine gesonderte Behandlung der Dialekte wünschenswert gewesen. Aber die buchhändlerische Möglichkeit der Publikation beruhte auf ihrer praktischen Verwendbarkeit. Die palästinischen Europäer und, ich hoffe, viele andere, welche in die ethnologische Palästinaforschung eintreten wollen, bedurften eines Hilfsmittels, das nach verschiedenen Seiten hin zuverlässige Aufschlüsse erteilt und das die dialektischen Unterschiede nicht verwischt, sondern das Ohr für sie schärft. Das hier vorliegende Buch enthält einen Schatz sorgsamer Beobachtungen aus einer langen 70