Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das palästinische Arabisch
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379831-2416380--02915-2416411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Prof. D. Dr. Balman. Das palästinische Arabisch.*) Das Neuarabische, wie es in den verschiedenen Dialekten in Palästina gesprochen wird, hat eine einzigartige Pedeutung durch den Boden, dem es angehört. Die darin etwa enthaltenen Nachwirkungen des ehemals in Palästina gesprochenen Aramäischen sind dabei minder bedeutsam als die Tatsache, dass diese Sprache den Schlüssel zu einem Volksleben bietet, in welchem auf ehrwürdigem Schauplatz in noch immer wenig veränderten Verhältnissen eine uralte Geschichte sich fortsetzt. Es ist deshalb erfreulich, dass nach der Erstlingsarbeit des Verfassers dieses Buches in seinem „Lehrbuch zur praktischen Erlernung der Arabischen Sprache (Schrift- und Vulgärarabisch)Jerusalem lfe97, dem lebenden Arabisch Palästinas wetteifernde Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ich nenne dafür, ausser meiner das Volksleben illustrierenden Liedersammlung „Palästinischer Diwan" (Leipzig 1901) und „Littmann's Neuarabischer Volkspoesie" (Berlin 1902), vor allem „Lohr, Der vulgärarabische Dialekt von Jerusalem" (Giessen 1905) und „Spoer and Haddad, Manual of Palestinian Arabic" (Jerusalem 1909). Da dem Fernstehenden scheinen könnte, dass mit den letztgenannten beiden Werken dem Bedürfnis einer grammatischen Behandlung des palästinischen Arabisch genügt sei, werden einige orientierende Bemerkungen nicht überflüssig sein. Lohr erhebt den Anspruch, den Dialekt von Jerusalem zu beschreiben, hat aber ausser acht gelassen, dass in der Mischbevölkerung unserer Stadt die verschiedensten Dialekte des Arabischen vom "Irak bis Marokko neben den sprachzerstörenden Einflüssen der arabisch sprechenden Europäer durcheinanderlaufen, und dass das Milieu, dem er seinen Stoff entnahm, am wenigsten Anspruch darauf erheben darf, den „Dialekt von Jerusalem" zu vertreten. Eine Sprachform, die man so nennen könnte, wäre meines Erachtens nur in alteingesessenen moslemischen Familien Jerusalems zu finden, welche ausserhalb der durchweg sprachlich gemischten Kreise der Kirchen, Klöster und Missionen stehen. Niemand hat bisher in dieser Richtung ernste Studien unternommen. Im Gegensatz zu Lohr wünscht Spoer in seinem Manual nicht einen bestimmten Dialekt, sondern das Arabische zu bieten, das „nicht nur in Jerusalem, sondern, mit geringen Abweichungen, in ganz Palästina gesprochen wird". Wer die tiefgreifenden Unterschiede kennt, welche die von Dan bis Beersaba in Palästina gehörten arabischen Dialekte in Aussprache, Wortformung und Vokabular aufweisen, muss daraus schliessen, dass die von Spoer gelehrte Normalsprache, die zu beherrschen gewiss jedem Europäer nützlich sein wird, ein ge- *) Grammatik, Uebungen und Chrestomathie von Leonhard Bauer. Leipzig 1910. J. C. Hinrich (Mk. 6.—). 69