Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das palästinische Arabisch
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Reihe von Jahren. Ich wüsste nicht, dass irgend ein lebender arabischer Dialekt für die Einzelheiten seines Sprachgebrauches eine zutreffendere und inhaltsreichere Beschreibung gefunden hätte. Eine reiche Sammlung von Lesestücken ermöglicht jedem Benutzer ein Eindringen in das Leben der Sprache. Möge Bauers neue Publikation ernster Beschäftigung mit dem arabischen Palästina innerhalb und ausserhalb dieses Landes eine breite Bahn öffnen! Der Militärdienst in der neuen Türkei. Der Beschluss der türkischen Regierung und des türkischen Parlaments fortan auch Juden und Christen dem stehenden Heeresdienst einzureihen, ist zum Teil schon zur Ausführung gekommen. In Jerusalem wurden (300 Juden (250 Aschkenarim und 350 Sephardim) sowie 1365 Christen als tauglich zum Dienst bezeichnet. Von der Stimmung der pfälzischen Rekruten, welche am Tage der Aushebung in öffentlichem Umzug ein Lied zu singen pflegen mit dem ständigen Refrain: „Drum Brüder, seid lustig, seid fröhlich, es kommt keiner davon-', ist hier allerdings nichts zu merken. Die Stimmung unter den jungen Leuten und in ihren Familien ist nichts weniger als rosig, die meisten, wenn nicht alle, hätten gewiss gerne die bisherige Kopf- und Militärsteuer weiter gezahlt und den Türken das zweifelhafte Vergnügen gelassen sich untereinander oder im Streit mit anderen Nationen den Rücken krumm und die Köpfe blutig schlagen zu lassen. Aber die erlangte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit soll nun einmal nicht nur im Leben sondern auch im Tode zum Ausdruck kommen, und hat es den Jerusalemern Juden und Christen auch nichts geholfen, dass sie sich mit der Vorstellung an die Regierung gewendet, dass sie für das rohe, gottlose und sündhafte Soldaten- und Kriegshandwerk doch eigentlich zu gute und heilige Leute seien: — der Refrain von Konstantinopel lautete immer: „Ob heilig, ob sündhaft, es kommt keiner davon!" Und so wird denn auch den frommen Jerusalemern nichts anderes übrig bleiben, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sich nach dem Rat des Apostels zu richten: „Schicket euch in die Zeit, denn die Tage sind böseu. Für viele jüdische Familien und die jüd. Gemeinde aber ist die neue Militärordre tatsächlich eine recht«ernste, böse und sorgliche Angelegenheit geworden, zumal viele, wenn nicht alle der Gestellungspflichtigen bei der hier üblichen frühen Verheiratung Frau und Kinder zurücklassen, wenn sie in die Garnison gehen, welche ohne den Unterhalter und Ernährer der Not und Entbehrung ausgesetzt sein werden. Um den auf diese Weise drohenden Gefahren für die Familien der Einberufenen vorzubeugen und nach Kräften zu steuern, hat sich denn auch bereits ein Verein begründet, welcher sich, wo es die Umstände erheischen, während der Abwesenheit des Familien- 71