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Palästina · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 2
Article
Fortschritte in der Malariabekämpfung
Date
1910-01-01
Page
Seite 46 (sequence 3)
Language
German
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nur selten angewendet wurden. Die Akklimatisierung geschah damals durch eine von der Malaria selbst besorgte natürliche Auslese, die in den aufeinanderfolgenden Generationen ohne jegliches Hindernis diejenigen hinwegraffte, die keine spezifische Widerstandskraft hatten, während sie die anderen schonte. Diese Opfer waren die Opfer der Mythologie, dazu bestimmt, die Dämonen zu versöhnen, die sieh der Besitzergreifung der Kolonisten widersetzten. Die Übrigbleibenden wurden die Richter der kolonisierenden Rasse, in der sich bei jeder Generationsfolge durch neue Auslese der Gesamtorganismus verbesserte, so dass sich die Widerstände der Rasse steigerten. Eine solche Steigerung ist heute nur noch bei wilden Menschenrassen oder bei Tieren möglich, nicht aber bei Kulturmenschen. Durch die Chinintherapie werden viele Leben gerettet, die nur eine geringe Widerstandskraft haben. Nach der Heilung zeugen sie Kinder, deren Widerstandsfähigkeit noch geringer ist. Nach mehreren Generationen entsteht in den Malariagebieten eine physische Degradierung der Menschen. So gewährt die Chinintherapie nur einen Ausblick auf eine ständige Prophylaxe. (Natürlich richtet sicfi meine Polemik gegen das Chinin nur in seiner Eigenschaft als angebliches Mittel zur Vernichtung der Malaria; das ist es nicht; wohl aber ist es zur Zeit das beste, — vielleicht das einzige Heilmittel des ausgebrochenen Fieberanfalles, besonders in Form der fraktionierten Darreichung in zehntel oder zweizehntel Grammen.) Der mechanische Schutz vor der Infektion besteht in dem steten Tragen einer Gesichtsmaske, Nackenschleier, Filz¬ oder Strohhut und Handschuhen mit Lederstulpen. Die Fenster werden durch verzinkte Eisendrahtgeflechte, mit S1^—3 mm weiten Maschen, ebenso die Kamine und Eingangstüren gesichert. Von aussen werden den Gebäuden besondere Drahtvestibüle angefügt, die gleichzeitig den Aufenthalt in frischer Luft gestatten. Die Doppeltüren zum Hause, sowie die Eingänge zu den Zimmern werden mit automatischen Schliessfedern versehen (zur Improvisation dienen an Stelle der ziemlich teuren Drahtgeflechte Gazevorhänge vor den Fenstern, die mit Wasserglas überzogen werden). Auch die „mechanische Prophylaxe'' hat ihre Grenze. Gegen die Infektion ist sie zwar ein mächtiges, aber doch ein durch das mangelhafte Verständnis der Bewohner und durch Umstände beschränkter Schutz. Denn sie hat nur einen Sinn, wenn sie fortwährend mit derselben Aufmerksamkeit geübt wird; bei der 46

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