Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortschritte in der Malariabekämpfung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Krankheitskeime gelangen durch den Stich der Mücke ins Blut und zerfallen in männliche und weibliche Formen. Schon nach dem 2. oder 3. Fieberanfall bilden sich weibliche Geschlechtsformen, und erhalten sich lange nach dem Schwinden aller übrigen Formen in der Milz. Unter Umständen können sich nun aus ihnen wieder junge Parasiten bilden, die in die Blutkörperchen eindringen und weiterwachsen. Auf diese Weise wird das zirkulierende Blut wieder mit Parasiten angereichert; es kommt ein Rezidiv zu stände und damit wird eine Quelle für den Wiederausbruch einer Epidemie geschaffen. Diese weiblichen Formen stellen also die gesuchte Latenzform zwischen Erstinfektion und Rezidive dar. E. Körmöezi (Ofen-Pesth) wies darauf hin, dass die Malaria zwei Höhepunkte zeige. Der eine fällt in den Frühling, der andere in das Sommerende oder den Herbstanfang. Letztere Epidemie ist mit der Moskitolehre sehr gut vereinbar. Die Erklärung der ersteren ist viel schwieriger, da Ende März die reue Generation der Anopheles noch nicht da ist, und es überhaupt noch wenig Anopheles gibt. Diese frühzeitigen Malariafälle stellen die durch die weiblichen Parasitenformen provozierten Rezidive dar. Diese Formen werden von Chinin nicht angegriffen; es gibt also keine Form der Ghinintherapie, die bei Kranken, bei denen sie schon bestehen, zuverlässig Rezidiv verhindern könnte. Da sie aber schon nach dem 2. oder 3. Fieberanfall auftreten können, so muss die Behandlung sehr frühzeitig einsetzen, wenn keine Rezidive auftreten sollen. Die Ghinintherapie setzt anderseits eine ständigeBereitschaft und Arbeit gegen die Malaria voraus; sie bekämpft die Malaria, sie tilgt sie aber nicht aus. Sie führt den Kampf nicht bis zu einer Vernichtung der Malaria, sondern bis zu einem gewissen Gleichgewichtszustand zwischen Menschen und Krankheit. Dieser Gleichgewichtszustand bedeutet aber durchaus nicht eine Anpassung an die Malaria. Die malarische Infektionverleiht nicht eine Immunität gegen weitere Infektionen; sie schwächt im Gegenteil den Körper; eine einzige Infektion genügt, um den Organismus während des ganzen Lebens krank zu machen. Theoretisch war eine kollektive oder Rassenakklimatisierung in der Vergangenheit möglich, als die spezifischen Mittel gegen die Infektion unbekannt waren, oder wenigstens als sie 45