Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Reise durch Jemen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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In Zal'a standen die Juden auf dem Markte und verkauften ihre Habe halb umsonst. Das war eine öffentliche Art, das Golus zu verlassen^ Der „König" der Gegend rief die Juden zu sich und mahnte sie, daß er sie nicht werde ziehen lassen. Sie antworteten, daß sie ihm nicht mehr Untertan sind. Der König tat ihnen darauf Ehre an, ließ ihnen Schafe und Rinder schlachten, wenn sie nur blieben, und sie weigerten sich doch. Da durch ihre Auswanderung der König ihre jährlichen Steuern einbüßte, soerließ er ein Verbot, irgend einem der Juden sein Haus abzukaufen. Mögen sie gehen, wohin es sie treibt, aber unser Geld sollen sie nicht mitnehmen.. Das war ein harter Schlag, denn viele von den Armen hatten ihre Hoffnung auf diesen Erlös gesetzt. Es war eben der letzte Schlag, denn schließlich; gingen sie doch--Doch wurde plötzlich alles anders. Die ersten Pioniere aus Sal'a nämlich waren zwei alte Männer samt Frauen und kleinen Kindern, welche die Stimmung der erwachten „Königssöhne" mi.tergriffen hatte. Sie wanderten aus, in der Meinung, in. Palästina mindestens ebensosehr geehrt zu werden als hier, konnten aber dort ihren Lebensunterhalt nicht finden. So kehrten sie zurück, mit zerbrochenen Hoffnungen und verflogenen Träumen, und brachten statt Schätzen nur ein Herz voll Gift und Aerger über das Land und seine Bewohner. „Wenn hier in Jemen Golus ist, so in Erez Israel Golus im Golus, hier Golus bei anderen Völkern, dort bei Israel selbst!" So erschien dieser Mann, der ganz gebrochen zurückkam, wie ein. Protest gegen Palästina und seine Bewohner. Und die Leute der Stadt., wenn sie ihn weinen und fluchen sahen, wie mußten sie vom Himmel zur Erde fallen. Die Gegner triumphierten, ebenso der König, der nun seine Hand schwer auf der Gemeinde der Juden lasten ließ- Mein Schmerz war nicht geringer als der Schmerz dieser Leute. Dazu litt ich noch ganz besonders durch die Uebertreibungen und Lügen,, die in den Worten des alten Mannes waren, durch alle die Gerüchte, Phantasien und Beschuldigungen. Wie diese früher das Volk aufgerichtet,, so sollten sie jetzt mich und meine Arbeit herabsetzen. Man hielt mich bald für einen Abgesandten des Sultans von Konstantinopel, der alle Juden in den Krieg führen sollte, bald für einen Grundbesitzer, der die Leute zu seinen Sklaven machen wolle. Indessen bestand diese schlimme Lage nur in Aden und seiner Umgebung. Im Innern des Landes, am allermeisten, wo ich gar nicht gewesen war, hatte die Sache noch eine phantastische Gestalt, an vielen Orten rüstete man zu gleicher Zeit zur Auswanderung. Von Zeit zu Zeit kamen Abgesandte, um mit mir zu sprechen, kaum waren sie jedoch in Aden, so sogen sie auch jenes Mißtrauen oder jenen Spott in sich, sodaßes schwer wurde, ihnen die Tatsachen im richtigen Lichte zu zeigen. In diesen schweren Zeiten fand ich einen" Helfer in dem Großrabbiner von Aden, Ma'ri Izchak ben Izchak ho Kohen, dem ich so viel Dank hiefür schulde. Als ich von Sanaa nach Aden kam und ihn da wiedersah, begegnete auch er mir mit kalten Blicken und Fragen : „Nun wirst du nach Palästina zurückgehen, was machst du also hier?" „Wie? Jetzt beginne ich doch erst mit der Arbeit . . ."