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Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Reise durch Jemen
Date
1912-01-01
Page
Seite 250 (sequence 4)
Language
German
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All dies erklärte ich ihnen und fragte: Soll ich noch über Hunger und Schwert und Vernichtung sprechen? Auch daran fehlt es ja nicht. Da sind die verwüsteten Dörfer, die Gräber der Verwandten, die in der letzten Hungersnot gestorben waren. Und zwischen jenem Landstrich, wo es dem Juden verboten ist, auf einem Esel zu reiten, und jenem, wo es erlaubt ist; ob der Jude seinem Scheich den Rockzipfel oder wie es sich auch trifft, der Araber dem Juden die Hand küßt — beständig ist dieser ein unglückliches Wesen, dessen materielles und geistiges Leben gar kein Leben ist, und das immer fremden Herren dient. Auch auf die physische Kraftlosigkeit, die unter ihnen herrscht, wies ich sie hin, und fügte hinzu: „Ihr, die ihr durch zehn Generationen im Lande wohnet, warum sind euer nicht mehr geworden, wie unserer Väter in Aegypten, die zu sechzig Myriaden anwuchsen? Und ihr seid noch keine vier Myriaden?" Darauf schüttelten die Leute die Köpfe. Im Monat Ijar kam ich nach Sanaa. Auf dem ganzen Wege hatte ich mich davon überzeugt, daß, von allen anderen Hindernissen abgesehen, den Leuten das Bargeld für die Reise fehlte. So bestand ich auf zwei Mitteln, die notwendig waren für das Gelingen der Arbeit: Verbilligung der Schiffahrt von Aden nach Palästina und Errichtung einer Informationsstation in Aden zur Verbindung zwischen Palästina und Jemen. Durch Vermittlung des Palästinaamtes in Jaffa wurde denn auch sowohl seitens des österreichischen Lloyd eine Schiffsermäßigung auf die Hälfte erzielt als auch eine Summe für sofortige Einschiffungen zur Verfügung gestellt. Nach Empfang dieser Freudenbotschaft ging ich nach Aden zurück. Damit v/ar der erste Teil meiner Arbeit getan : die Reisebedingungen bis zur Hälfte ermäßigt, die Herzen vorbereitet. Erez Israel stand auf der Tagesordnung. In Aden verweilte ich fünf Monate. Nun schickte ich einen besonderen Mann nach der Gegend von Zal'a mit diesen Nachrichten. Die Juden jener Gegend, zumeist Weber, Schmiede oder Silberarbeiter, kannte ich als einfache, physisch starke Dorfleute und hoffte, daß sie sich leicht an die Arbeit in den Kolonien gewöhnen würden. Auch war dieser Kreis Aden am nächsten gelegen. Mari Jechi Salam — so hieß der Mann — verweilte etwa eineinhalb Monate auf dem Wege, dann kam er zurück mit Briefen und Nachrichten von drei Gruppen, die sich zur Abreise rüsten. Die Auswanderung ging in aller Ordnung von sich. Es konnte noch vorher in Palästina für sie Vorsorge getroffen werden. Während ich auf den Beginn der Wanderung wartete, erweiterte ich ein wenig den Kreis, zu dem ich Briefe oder Boten sandte, um sie zu benachrichtigen und zur Wanderung aufzufordern. Im Monat Elul kam die erste Gruppe von fünfzig Menschen nach Aden und konnte nach den Kolonien geschickt werden. Dabei verbreiteten sich fröhliche, ja selbst ganz legendäre Gerüchte, entwickelten sich in dem Kopf der Leute übernatürliche Träume und Phantasien. Sicherlich einer der vielen Messiasträume. Ein Knecht, der über Nacht zum König wurde!

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