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Palästina · 1912-01-01 · Heft 7-8 · p. Seite 187

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 7-8
Article
Achad Haam über Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 187 (sequence 4)
Language
German
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des „Kulturzentrums" mit der „natürlichen Erlösung des Landes" und „Befreiung des Volkes" verbunden ist. Er meint nur, daß die heutige Judenheit, die zerstreut und zerrissen ist, die durch kein inneres Band mehr zusammengehalten wird, nicht imstande sei, diese große Tat zu vollbringen. Er glaubt daher, daß erst ein Kulturzentrum in Palästina, welches das Judentum wieder als ein geistig-sittliches Sein in Erscheinung bringen wird, durch seine Ausstrahlungen auf die Diaspora die Judenheit innerlich läutern und wieder jüdisch machen wird. Ist einmal diese innere Umwandlung vollzogen, „dann wird auch der Tag kommen, an dem unsere Hände Erfolgreiches leisten", wie es schon in seinem berühmten ersten Artikel „Nicht dies ist der Weg", der 1889 veröffentlicht wurde, heißt. Aehnliches klingt in dem Schluß des in Rede stehenden Artikels an. Ja, es scheint sogar, daß Achad Haam von dem geläuterten Judentum noch viel mehr erwartet, als bloß die eigene Befreiung. „Wir können heute gar nicht wissen, was ein regeneriertes Judentum alles leisten kann" — einen solchen Unterton scheinen all seine spärlichen Andeutungen über zukünftige Möglichkeiten zu enthalten. Eine derartige Auffassung ist jedenfalls groß und tief und sie ist wahrlich keine solche, welche der politische Zionismus deshalb zu bekämpfen hätte, weil sie Resignation predige. In dreißigjähriger Erfahrung hat sich gezeigt, daß der Achad Haamismus nicht nur keinen Zionisten in seiner Tatkraft gelähmt hat, sondern daß er im Gegenteil die stärksten zionistischen Energien ausgelöst, die Idee vertieft und gerade jene Pioniere befeuert hat, welche in Palästina das kolonisatorische und kulturelle Zentrum aufbauen. Nicht als zerstörende, als belebende Kraft hat sich der so kritische Denker Achad Haam immer erwiesen, weil jeder fühlende Leser seiner Schriften im tiefsten empfindet, welch' ungeheure Liebe es ist, die ihn zwingt strengste Kritik zu üben. Hat man in den erwähnten Polemiken Achad Haam als Denker und Theoretiker Unrecht getan, so wurde, wie schon bemerkt, auch der scharfsinnige Beobachter, der als Fanatiker der Wahrheitssuche unerbittlich, ohne Schonung für irgendwelche Sentiments, auch nicht für die eigenen, die Dinge so zeichnet wie sie sind, sehr unrichtig behandelt. Es genügt nicht, einen Autor seines Ranges ein paar Ungerechtigkeiten nachzuweisen, um das, was er sagt, als unbeträchtlich bezeichnen zu dürfen. Achad Haams Worte wollen gehört und respektiert sein. Die Erfahrung mit ihnen sollte doch schon genutzt haben. Als er vor Jahrzehnten das Werk der Chowewe Zion aufs schärfste kritisierte, wurde er gleichfalls heftig angegriffen und als Störenfried empfunden. Aber die Zeit lehrte, daß er in allem Recht behielt. Wir müssen daher auch diesmal seine Worte genau beachten, ob wir in der Grundauffassung der Dinge mit ihm völlig übereinstimmen oder nicht. Und wenn wir dies tun werden, so wird sich zeigen, daß auch diesmal gegen seine tatsächlichen Konstatierungen wenig eingewendet werden kann. Achad Haam ist bezüglich des Tempos, der Ausdehnungsmöglichkeit der nationalen Kolonisation skeptisch? Ja, geben ihm die Tatsachen so Unrecht? Wenn auch in den letzten Jahren einige neue Punkte im Lande erworben und durch Juden kolonisiert wurden, ist

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