Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Achad Haam über Palästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bank und Nationalfonds zu schaffen, während die von Achad Haam geführte kulturzionistische Bewegung ohne das Auftreten Herzls wahrscheinlich praktisch unwirksam geblieben wäre. Verkennt Achad Haam die Wesensrichtung des politischen Zionismus von heute, so macht er ihn andrerseits für Erscheinungen verantwortlich, die er nicht nur nicht verursacht, sondern seit jeher genau so beurteilt hat, wie Achad Haam selbst. Wen soll der Spott treffen, mit dem er z. B. davon spricht, daß die arabische Arbeit nicht die Grundlage der Befreiung des Landes sein könne? Die erste kräftige Lebensäußerung des politischen Zionismus war eine Verdammung — vielleicht sogar eine nicht ganz gerechte — der Kolonisationsarbeit der früheren Chowewe Zion, vor allem das Basieren derselben auf fast ausschließlich arabische Arbeit. Wo die Organisation selbst kolonisiert, schafft sie rein nationale Farmen und die steigende Heranziehung der Yemeniten sowie die Wohnungsfürsorge für diese und andere jüdische Arbeiter zeigen deutlich, daß die Organisation in der Frage der Nationalisierung der Arbeit zielbewußt handelt. Wenn Achad Haam des weitern den Habitus der Kolonisten untersucht, so hat er wieder nur die Resultate der Chowewe Zion-Kolonisation im Auge. Gewiß, das Gros dieser Kolonisten zeigt mehr Farmer- und Kaufmannsais Bauerntypus. Aber wenn Achad Haam deshalb dem politischen Zionismus zuruft, daß der Jude nie ein richtiger Landmann sein wird (worüber indes der deutsche Landwirt Auhagen anderer Ansicht ist), so vergißt er völlig, daß in der politisch-zionistischen Organisation kein Mensch jemals darüber im Zweifel war, daß in dieser Beziehung die Resultate der fehlerhaften Chowewe Zion-Kolonisation keine allzu günstigen seien, nur zogen die Leiter der Bewegung daraus nicht den Schluß, daß der Jude kein Bauer werden könne, sondern daß es sich darum handeln müsse, eine dem jüdischen Wesen angepaßte Form der Kolonisation zu finden. Diese sucht die Organisation vor allem in den Landarbeiterproduktivgenossenschaften und wie es scheint, mit gutem Erfolg. Gelingt diese Art von Kolonisation, die erst seit vier Jahren erprobt wird, während jene der Chowewe Zion schon 30 Jahre alt ist, dann werden zwar keine jüdischen Bauern im europäischen Sinne geschaffen, dafür aber wird eine neue sozial höhere Form der Landbebauung gefunden worden sein, wie sie dem speziellen Charakter des jüdischen Volkes angepaßt sein dürfte. Insoweit also Achad Haam dem politischen Zionismus Unrecht tut, muß seinen Kritikern recht gegeben werden. Worin diese aber weit übers Ziel schießen, ist, daß sie die Ausführungen Achad Haams, die so viel des Wichtigen enthalten, in Bausch und Bogen verwerfen und seine Theorien als irreführend bezeichnen. Was zunächst die Theorien betrifft, so hat inzwischen schon in der „Welt", ein genauer Kenner der Schriften Achad Haams durch Zitate aus diesen erschöpfend nachgewiesen, daß dessen „Kulturzionismus" durchaus in keinem feindlichen Gegensatz zum politischen Zionismus steht. Es erübrigt nur noch, darauf hinzuweisen, daß aus verschiedenen Stellen der Schriften Achad Haams hervorzugehen scheint, daß auch ihm die Schaffung 186