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Palästina · 1912-01-01 · Heft 7-8 · p. Seite 185

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 7-8
Article
Achad Haam über Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 185 (sequence 2)
Language
German
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Zentralorgan „Die Welt", als auch im Blatte der palästinensischen Arbeiterorganisation „Hapoel Hazair" starken Widerspruch erfahren. In beiden Organen wurde gesagt, daß die Hoffnungen der politisch-zionistischen Bewegung hauptsächlich auf einer raschen Ausdehnung der nationalen, speziell der genossenschaftlichen Kolonisation beruhten, während das von Achad Haam als allein erstrebenswert und als allein praktisch erreichbar bezeichnete Kulturzentrum, wenn es nicht organisch auf einer breiten Unterlage des Volkslebens sich entwickle, keinen Bestand haben und für die Befreiung des Volkes wie des Landes keine Garantie bieten könne. Eine solche sei nach Ansicht des politischen Zionismus nur in einer Verwurzelung einer steigenden Anzahl von Juden mit dem palästinensischen Boden und dem dadurch zu schaffenden unzerstörbaren Kraftzentrum zu finden. Dieser prinzipielle Streit ist bekanntlich sehr alten Datums. Die Heftigkeit der Kritik erklärt sich diesmal daraus, daß Achad Haam aus der bisherigen jüdischen Entwicklung Palästinas nachzuweisen bemüht ist, daß diese die Richtigkeit seines Standpunktes und die Unmöglichkeit der Durchführbarkeit der politisch-zionistischen Ideen erwiesen habe. Zu diesem Kampf der Meinungen sei bemerkt, daß Achad Haam in seiner Beweisführung — und das erklärt zum großen Teil die Schärfe, mit welcher er diesmal bekämpft wird — die Ideen und Ziele des politischen Zionismus in einer solchen Form vor Augen hat, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr besteht. Er scheint die Entwicklung der zionistischen Organisation zuwenig beachtet zu haben, denn sonst könnte er nicht gegen Meinungen polemisieren, die dem längst überwundenen „Charterzionismus" entsprechen, könnte nicht behaupten, daß die Zustimmung zur praktischen Palästinaarbeit des Nationalfonds, deren Resultate er selbst mit größter Anerkennung lobt, den politischen Zionisten nur mit Mühe und quasi gegen deren Ueberzeugung abgerungen werden müsse, könnte nicht spottend fragen, ob es die arabischen Arbeiter wären, welche die „gesicherte Heimstätte" erarbeiten sollen, usw. Es ist unbegreiflich, daß ein Denker von der Gründlichkeit Achad Haams sich so wenig informiert über den jetzigen Charakter der zionistischen Bewegung zeigt, der er, wenn auch nicht parteigemäß organisiert, als führender Geist selbst angehört. Er beachtet es nicht, daß seit mehr als 6 Jahren die praktische Palästinaarbeit der einhellig anerkannte Hauptinhalt des politisch-zionistischen Tätigkeitsprogrammes ist, ja daß sogar die Theoretiker der Organisation, nicht unähnlich seiner eigenen Auffassung, davon sprechen, daß der Zionismus zunächst nicht die ökonomische, sondern nur die moralische Judennot beseitigen könne, daß es daher sein nächstes Ziel sei, in Palästina einen „nationalen Krystallisationskern" zu schaffen, (Ruppin : Die Juden der Gegenwart). Der Spott Achad Haams gilt einer von der Entwicklung schon lange überwundenen Stufe des politischen Zionismus. Aber auch von dieser gilt, daß all das, was Achad Haam heute preisenswert findet, nur durch den von ihm so sehr kritisierten politischen Zionismus möglich wurde, denn erst er war imstande, eine Ost und West umfassende Bewegung ins Leben zu rufen, und die großen Machtmittel, Organisation, 1S5

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