Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2379786-2379848-2379855-2416042--04312-2416103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nationalfonds beklagen, der die Möglichkeit gab, ein solches Schöpfungszentrum zu gründen, und wird aus ganzem Herzen wünschen, daß dessen Leiter die Sünde noch vergrößern, damit auch in den übrigen Städten des Landes noch solche Mittelpunkte hinzukommen. Und die hebräischen Schulen in Jaffa und Jerusalem — ist es erst nötig zu beweisen, daß jede einzelne von ihnen ein Zentrum ständiger Arbeit ist für die Schaffung jenes Typus eines „Mannes Israels" in seiner wahren Gestalt? Auch diese Arbeit, die Arbeit des Erziehungswesens in Palästina, paßt nicht gut zum „Programm". „Was für einen Wert hat die Kindererziehung in nationalem Geiste, solange das Land nicht erlöst und das Volk nicht eingezogen ist und diese Kinder selbst vielleicht ihrer Mehrzahl nach nicht im Lande verbleiben werden? Loskauf des Landes, Erweiterung der Ansiedlung, Eroberung der Arbeit — das sind die Wege, die zur Verwirklichung des Programmes führen. Aber die Erziehung? — Sobald die Juden in Palästina viele sein werden, wird die nationale Erziehung von selbst kommen und jetzt hat man kein Recht, für geistige Dinge die Mittel auszugeben, die für wesentlichere Dinge notwendig sind". So wenden viele ein, und ich wundere mich nur, daß es möglich ist, solch einen Einwand mit Geschmack und Logik auf Grund des „Programmes" niederzuschlagen. Was für eine Kraft hat aber der Gedanke, wenn das Herz nach einer anderen Seite zieht? Jene „Politiker" selber, welche durch die „praktische Arbeit" in Palästina die Erlösung zu bringen versprechen, verwenden einen großen Teil ihrer Kraft auf das Erziehungswerk, und das zionistische Publikum in seiner Gesamtheit liebt diese Arbeit und fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen. Und willst du wissen, warum, dann höre, was man in zionistischen Versammlungen, wenn die „Kulturarbeit in Palästina" auf der Tagesordnung ist, zu sprechen pflegt: die Bringer der Erlösung vergessen für den Augenblick das „Programm", die „gesicherte Heimstätte" und alle anderen bekannten Worte und beginnen verherrlichend von der „Belebung des Geistes" zu erzählen, von der Erschaffung eines neuen jüdischen Typus und prophezeien über diesen Typus als ein Band, welches das ganze im Golus zerstreute Volk vereinigen soll, und weisen mit dem Finger auf den Einfluß, der schon jetzt von den Schulen in Palästina ausgeht zur Verbesserung der Erziehung im Golus und Aehnliches dergleichen . . . Ich sah die Erziehungsarbeit in Palästina in ihrem Beginne, vor achtzehn Jahren, und ich hätte damals nicht zu glauben vermocht, daß es diesen vereinzelten Lehrern, die das große Ideal hebräischer Erziehung in hebräischer Sp'rache im Herzen trugen und es mit ihrer beschränkten Kraft in Tat umzusetzen begannen, in der Tat gelingen werde, eine solche 182