Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber — wird er sich sagen — es steht alles doch noch im Stadium des ersten Wachstums, die freie Entwicklung hat doch erst begonnen und sie schreitet doch vor. Viele dieser Fehler werden im Laufe der Zeit geheilt werden, und was nicht geheilt werden kann — ist ein Fehler in u n s, der in unserer nationalen Eigenart wurzelt; und wenn wir die Schöpfung des jüdischen Typus in seiner wahren Farbe erstreben, dann müssen wir sein Gutes wie sein Schlimmes annehmen, wenn dies und jenes nur aus seinem Wesen hervorquillt und wenigstens nichts von der Verfälschung, die im Golus gewöhnlich ist, an sich hat. Und es wandert dieser Jude von einer Kolonie zur anderen, und manchmal sind sie viele Stunden voneinander entfernt, und fremde Felder und Dörfer erfüllen jeden Zwischenraum. Dennoch sieht er in den Zwischenräumen eine Art menschenleerer Wüste, und nach der „Wüste" wieder „Kultur", und er lebt wieder in hebräischnationaler Atmosphäre, die sein Herz so sehr erlabt. Es vergehen die Tage oder die Wochen, und es dünkt ihn, als hätte er die ganze Zeit in einer anderen Welt gelebt, in einer Welt der fernen Vergangenheit oder der fernen Zukunft. Und wenn er aus dieser Welt heraustritt, dann sagt er sich: „Ist dem jetzt so, was wird „dann" sein, wenn die Zahl der Kolonien sich mehren und ihre Gestalt sich vervollkommnen wird"? Dann erkennt er, daß hier, in diesem Lande, die Lösung für die Frage unserer nationalen Existenz zu finden ist, daß von hier aus der Geist ausgehen und über die morschen Gebeine, die in Ost und West, in allen Ländern, unter allen Völkern zerstreut sind, wehen wird — und daß sie wieder leben werden. Indeß, von dieser Anschauung aus, beschränkt sich der Begriff der „praktischen Arbeit" nicht auf die ländlichen Kolonien allein. Schöpfungszentren für jenen hebräischnationalen Typus wird man finden können und findet man auch wirklich außerhalb des Gebietes der ländlichen Ansiedlung. Viele von den Zionisten beklagen sich über die Leiter des „Nationalfonds", daß sie einen beträchtlichen Teil seines Vermögens in den Bau jüdischer Städteviertel („Teil Awiw" und andere) hineinstecken. Von Seiten des „Programms" ist die Klage gewiß berechtigt. Der Fonds wurde geschaffen für „Lösung des Landes" im weiten Sinne dieses Begriffs, nicht um städtischen Boden, der nach Ellen gemessen wird, zu kaufen und darauf einfach Wohnhäuser für Juden zu bauen. Aber, wie gesagt, die Arbeit fügt sich nicht den Forderungen des Programms, sondern der Stimme des inneren Gefühls, das ihren Weg vorzeichnet. Und jener Jude, der aus dem Golus kommt, wenn er nur einige Tage in „Teil Awiw" sitzt, das Leben dort betrachtet und die jüdischen Kinder sieht, die dort heranwachsen — der wird sich nicht über den 181