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Palästina · 1912-01-01 · Heft 7-8 · p. Seite 179

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 7-8
Article
Die Lehre der Tatsachen
Date
1912-01-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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Arme anzusiedeln, außer in sehr kleiner Zahl. Möglich ist es, in den Kolonien bodenständige Menschen eines höheren Typus zu schaffen, deren Arbeit größtenteils durch andere verrichtet wird, möglich vielleicht auch, eine kleine Arbeiterklasse für die feineren Arbeiten zu schaffen, die leichter sind und besser entlohnt werden, unmöglich aber eine bäuerliche Masse zu schaffen — eine wirkliche Volksmasse, — die jene rohe und schwere Arbeit bezwingen könnte, welche viel nimmt und wenig gibt, und auf der allein eine Bauernmasse von Tausenden und Zehntausenden sich gründen kann. Es wäre nun gerecht, daß bei einer solchen Lage jeder, der nach Palästina kommt und den Maßstab der „gesicherten Heimstätte'4 mit sich bringt, um daran den Wert der dortigen Werke zu messen, mit gebrochenem Herzen und voller Verzweiflung nach Hause zurückkehren müßte. Dennoch sehen wir tagtäglich das Gegenteil davon : „ehrliche" Zionisten, welche im Auslande über die Erlösung von Volk und Land viel hohe Dinge sprechen, kommen nach Palästina, sehen, was sie sehen — und kehren nach Hause fröhlich und in guter Stimmung zurück, voll von Entzücken und Begeisterung, als hätte ihr Ohr die Posaune des Messias vom Oelberge her gehört. So wie ich sagte : an der Oberfläche herrscht das „Programm" und alle erscheinen in Wirklichkeit wie Menschen, welche glauben, die Erlösung durch ihre Arbeit zu bringen; während in den Tiefen der Herzen ganz unbewußt das Gefühl für den nationalen Bestand das herrschende ist, und dieses drängt und drängt zu solcher Arbeit, nicht um das Programm zu erfüllen, sondern um sein Bedürfen zu befriedigen. Und wenn der „ehrliche" Zionist nach Palästina kommt und mit eigenen Augen die Arbeit und ihre Früchte sieht, dann empfindet er in allen Kammern seiner Seele, wie groß und hoch das ist, was allmählich geschaffen wird und wie stark seine Kraft sein wird, unseren nationalen Bestand in allen Ländern, in die wir verbannt sind, zu stärken, ob nun volle Erlösung aus ihr hervorgehe oder nicht. Und dann fällt die Erlösung an den ihr gebührenden Platz: die Stätte der teuren Hoffnungen für die noch nicht die Stunde gekommen ist, Ziele für Taten zu sein. Und jenes Ziel, das in Wirklichkeit mit der gegenwärtigen Arbeit verknüpft ist und immer mehr durch diese Arbeit erreicht wird — erscheint auch an sich selbst groß und schön genug, auf daß das Herz von „Entzücken und Begeisterung erfüllt werde". Ich schäme mich vor den Lesern und vor mir selbst, noch einmal im Einzelnen — nach mehr als zwanzig Jahren von Erklärung nach Erklärung — darzustellen, was der Wert dieses Zieles ist, auf welches ich da hingewiesen habe. Aber ich scheue mich nicht, offen zu gestehen, daß es mir diesmal in Palästina vorkam, als sähe ich mit Augen den „Traum", 179

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