Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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an sie herantrat, ihr nicht standhalten konnten, vielleicht ist es in der Tat unmöglich ihr standzuhalten, sei es aus jenen Gründen, welche die Kolonisten immer im Munde führen, sei es aus anderen — einerlei. Als ich aber die Frage jenen Arbeitern vorlegte, die sich noch nicht „kolonisiert" hatten, da antworteten sie mir, daß diesen ihren Genossen, seitdem sie Kolonisten geworden, die Proletarierseele entflogen sei und sich ihre „Psychologie" geändert habe. Da fragte ich weiter: „Wenn so, wo ist der Ausweg? Ihr sagtet mir ja selbst, daß die Mehrzahl eurer Genossen nach Palästina kommen mit der Hoffnung, im Laufe der Zeit zu Kolonisten zu werden, und daß eben darum, seit sich diese Hoffnung verringerte (infolge der Aenderung im Systeme der Ica, welche aufgehört hat, auf ihrem Boden Arbeiter anzusiedeln, die nicht über eine bestimmte Summe verfügen), auch der neu Ankommenden weniger werden. Und wenn die Arbeiter mit der Hoffnung auf Kolonisierung kommen, sobald sie aber kolonisiert sind, die „Schechinah" von ihnen weicht und sie selber die Bearbeitung ihres Bodens an Fremde übergeben, was ist es dann mit der Eroberung der Arbeit, und die ganze Beschwerde — wozu?" Auf diese Frage konnten mir die Arbeiter nirgends eine beruhigende Antwort geben. Dies ist also der Zustand der „praktischen Arbeit in Palästina" und ihrer Beziehung zur „Erlösung von Volk und Land." Die Hoffnung auf Erlösung für die Zukunft ist eine nationale Hoffnung, die durch die Geschlechter geht, die noch jetzt im Herzen eines jeden seinem Volke treuen Juden lebt, sei es in religiöser, sei es in anderer Form. Und jeder Einzelne kann sich ihre Erfüllung in einer Weise ausmalen, wie sie seinem Herzen am nächsten ist, ohne mit der gegenwärtigen Wirklichkeit zu rechnen. Denn wer weiß, was im Schöße der ferneren Zukunft verborgen liegt? Wenn aber dann Menschen kommen, um durch ihre Arbeit die Erlösung zu bringen, dann vermögen sie nicht mehr ihre Blicke von der Wirklichkeit abzuwenden, und es muß ein natürliches Band gefunden werden, ein Band von Ursache und Wirkung, zwischen dem, was sie tun, und dem, was sie durch ihr Tun erreichen wollen. Und ein solches Band zwischen der „praktischen Arbeit in Palästina" und der Erlösung von Volk und Land — das könnt ihr wohl in der Phantasie aus der Ferne euch bilden, in Palästina selber ist sogar in der Phantasie kein Platz dafür. Hier ist es mehr oder weniger offenbar, was durch solche Arbeit zu erreichen möglich und unmöglich ist: möglich ist es, vereinzelte Bodenstücke hier und dort zu kaufen, unmöglich das Land, als Ganzes oder seinen größten Teil, zu lösen; möglich ist es, schöne jüdische Kolonien auf den gekauften Bodenstücken zu gründen, aber unmöglich darauf 178