Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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doch immer eine verfeinerte Kolonisation eines kleineren kulturell entwickelten Elements bilden würde, das in der Intelligenz und im Vermögen seine Kraft hat, die breite Landbevölkerung hingegen auch dann nicht unser wäre. Und dieses änderte gänzlich Wesen und Ziel des Zionismus. So ist es denn nicht zu verwundern, daß die Zahl der Vorschläge „zur Verbesserung der Lage der Arbeiter" sich so gesteigert hat. Alle sehen nämlich, daß bis jetzt die Arbeiter in ihrer Mission nicht viel Erfolge gezeitigt haben, daß innerhalb der letzten Jahre der Wegziehenden viele und der Ankommenden nur wenige waren — und die übrigen sich in einem unsichern Zustand befinden. So neigt man denn allenthalben dahin, die Ursachen dafür in äußeren Schwierigkeiten zu sehen, und man sucht Mittel und Wege, diese Schwierigkeiten zu überwinden : auf die Kolonisten einzuwirken, daß sie die jüdischen Arbeiter den arabischen vorziehenden Arbeitern selbst leichtere Lebensbedingungen in Bezug auf Wohnung und Verpflegung zu schaffen, und ähnliche Vorschläge, die allgemein bekannt sind. Und wenn all dies ausgeführt werden wird — damit beruhigt sich das zionistische Publikum — dann werde die Zahl der jüdischen Arbeiter stetig wachsen. Der Menge der Arbeit entsprechend, wie sie mit dem Wachstum des Jischuw sich vergrößert, wird unsere Landbevölkerung, die sie leistet, sich mehren, und die „gesicherte Heimstätte" wird buchstäblich mit unseren Händen vom Grund bis zum Giebel erbaut werden. Doch, wie es scheint, ist die Zeit nicht mehr ferne, da die äußeren Hindernisse den Arbeitern nicht mehr im Wege stehen oder zumindest sich so verringert haben werden, daß es unmöglich sein wird, sie als die starre Mauer anzusehen, die den Weg versperrt. Der Nationalfonds und andere Institutionen mühen sich bereits sehr mit der Verbesserung der Lage der Arbeiter, und ohne Zweifel wird alles, was man tun kann, allmählich getan werden. Und das größte Hindernis: das schlechte Verhältnis zwischen Arbeitern und Kolonisten nimmt in offensichtlicher Weise ab. Auf der einen Seite hat schon die Mehrzahl dei Arbeiter erkannt, daß es nicht gerecht ist, von wem immer zu verlangen, daß er Menschen liebevoll aufnehme, die auf sie vom Himmel herabblicken und sich nicht scheuen, eine Art von inneren Haß und Verachtung den „Bourgeois" offen zu zeigen, und darum befleißen sie sich jetzt einer wesentlich freundlicheren Art als vordem. Andererseits beginnen auch die Kolonisten einzusehen, daß die Steigerung der jüdischen Arbeit in der Kolonie nicht nur Pflicht, sondern auch vorteilhaft ist (worauf schon viele hingewiesen haben und was deshalb nicht wiederholt werden muß); und dann ist in den Kolonien schon die Entwicklung einer gewissen Neigung erkennbar, jüdische Arbeiter nach Maßgabe der Möglichkeit anzunehmen. Bis jetzt freilich glaubt man in den meisten 175