Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kolonien, daß diese Möglichkeit auf einen sehr engen Kreis beschränkt ist. (Auch die dementsprechenden Einwände sind bekannt und bedürfen keiner Erklärung). Wie weit jener Glaube berechtigt ist, kann der für kurze Zeit von außen Kommende nicht klar behaupten. Im Allgemeinen jedoch zweifle ich nicht, daß, je mehr die innere Neigung zur Annahme jüdischer Arbeiter sich entwickeln wird, desto mehr sich auch von selbst der „Kreis der Möglichkeit" erweitern wird, bis an einen Punkt, wo diese Möglichkeit wirklich aufhört. Dann aber, wenn die äußeren Hindernisse, die wir beiseite zu schaffen die Macht haben, beiseite geschafft sein werden, dann werden wir uns davon überzeugen, daß größere Hindernisse, Hindernisse, die nicht von uns abhängen, im Wege liegen. In allen Kolonien und Farmen, die ich besuchte, habe ich viele Gespräche mit den Arbeitern geführt und ihren Worten aufmerksam gelauscht. Viele verschiedene und entgegengesetzte Anschauungen hörte ich von ihnen. Selbst in sehr wichtigen Fragen sind sie nicht immer alle einer Ansicht. Dennoch hat sich in mein Herz ein allgemeiner Eindruck eingeprägt auf Grund all dieser Gespräche. Und dieser Eindruck hat in mir nicht den Glauben gestärkt an die Kraft dieser jungen Leute, die große Aufgabe zu erfüllen, die sie auf sich genommen. Die jungen Arbeiter, die zur „Eroberung der Arbeit" nach Erez Israel kommen, bringen ihrer Mehrzahl nach bereits vom Auslande die Hoffnung mit, nach einigen Arbeitsjahren in die Klasse selbständiger Kolonisten aufzusteigen, und nur wenige kommen von vorneherein mit der Absicht, ihr Leben lang „Arbeiter" zu bleiben. Diese wie jene arbeiten eine Zeit lang mit Begeisterung, mit Hingabe, schließlich aber beginnt die Frage um die Zukunft in ihrem Kopfe zu nagen. Nicht zu sprechen von jenen, die gleich anfangs mit der Hoffnung kamen, Kolonisten zu werden, und die dann dieEntferntheitdieser Hoffnung sehen. Selbst jene, die nur um der Arbeit willen kamen, beginnen zu empfinden, daß ein solches Leben für eine Zeit hindurch gut und schön ist, immer aber so zu leben, das geht über ihre Kraft. Der „Kulturmensch" in jedem von ihnen beginnt seine Rechte geltend zu machen und kann sich nicht mit dem Gedanken versöhnen, alle Tage des Lebens vom Morgen bis zum Abend mit dem Spaten arbeiten oder hinter dem Pfluge gehen und bestenfalls sein Brot in Not und Dürftigkeit finden zu müssen. Willensschwache unter ihnen verlassen dann bitteren Herzens das Land, die Hartnäckigen bleiben mit bitterem Herzen — und du siehst sie dann, wie sie wandern von Kolonie zu Kolonie, arbeiten an einem Orte einige Zeit, um plötzlich in einen anderen zu gehen, nicht um 176