Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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anderer abhängt, kann nicht den Grundstock eines solchen Gebäudes bilden. Den Grundstock im Leben jedes Staates bildet die bäuerliche Masse, die Arbeiter und armen Bauern, die sich mühselig von ihrer eigenen Hände Arbeit nähren, sei es auf ihrem kleinen Anteil oder auf Feldern, die der „oberen Klasse" gehören. Die Bauernmasse in Palästina aber ist gegenwärtig nicht unser, und es ist schwer vorzustellen, daß sie es in Zukunft sein wird, auch wenn die Zahl unserer Kolonien in allen Richtungen des Landes sich erhöht. Für die Gegenwart ist es ja bekannt, daß die Arbeit in unseren Kolonien zum großen Teile durch Bewohner der benachbarten arabischen Dörfer verrichtet wird, darunter „Tagelöhner", die morgens kommen und abends in ihre Dörfer zurückkehren, und ständige Arbeiter, die mit Weib und Kind in der Kolonie wohnen, und alle zusammen arbeiten mit uns an der „gesicherten Heimstätte." Und in Zukunft, wenn sich die Zahl der Kolonien erhöht, wird dies durch vermögende Leute geschehen, welche auch ihrerseits „reiche" Kolonien des erwähnten Typus gründen werden. Kolonien für Arme können nur durch öffentliche Institutionen gegründet werden, und auch nur in sehr beschränkter Zahl, die nichts bedeutet gegenüber dem Bedürfnis eine Bauernmasse zu schaffen, die das Land füllen und durch ihrer Hände Arbeit erobern könnte. Und das wird auch durch die Agrarbank nicht viel anders werden. Denn auch sie, trotz alles Großen, das man von ihr prophezeit, kann mehr zur Gründung „reicher" Kolonien helfen, als aus eigener Kraft Kolonien für Arme gründen. Und wer weiß, ob die mangelnde Möglichkeit, solche Kolonien in großer Menge zu gründen, nicht zu jenen Uebeln gehört, von denen man sagt: „Auch dies ist zum Guten", weil ihre größere Vermehrung bewirken würde, daß sie alle voll von Menschen würden, die unfähig wären, eine so schwierige Aufgabe zu erfüllen, und nur, wenn ihrer verhältnismäßig wenige sind, kann man auf ihren Bestand und ihre Entwicklung durch „natürliche Auslese" hoffen: wer nicht die erforderlichen Fähigkeiten hat, wird seinen Platz einem Andern lassen müssen, bis sich in den Kolonien jene Einzelnen sammeln, wirklichere Bauern ihren Eigenschaften nach, die sich noch hie und da unter uns finden. Wie dem auch sei — nicht auf diesem Wege wird uns die Bauernmasse geschaffen werden. Doch könnte man meinen: sie wird sich von selbst bilden eben in jenen reichen Kolonien durch die natürliche Vermehrung der Bewohner und die dadurch notwendige Bodenverteilung, so daß die Kinder oder Kindeskinder der heutigen Farmen selber arme Bauern sein werden, die nur von ihrer Hände Arbeit leben? — Auch das ist eine trügerische Hoffnung, welche die Erfahrung Lügen straft. Die Söhne, die in der Kolonie geboren sind, sind 173