Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Lehre der Tatsachen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nur betont werden, daß im Vorhinein, nach Analogien, die Bedeutung eines erst zu gründenden Instituts nicht überschätzt werde, weil auch die kleinen Dinge unter den schwierigen Verhältnissen großer Vorsicht bedürfen. Man sieht in Palästina auch den „Nationalfonds" und seine Arbeit an der „Erlösung des Landes" durch Kauf und Verkauf, wozu er geschaffen wurde, und er hat einen großen Teil seines Fonds auch ausgegeben. Was hat er aber losgekauft und was konnte er loskaufen, selbst wenn er viermal mehr ausgegeben hätte? Einige zerstreut liegende Landstriche, die von großen und weiten, nicht angekauften Flächen umschlungen sind. Und inzwischen steigt der Preis des Bodens in erschreckender Weise, besonders, wo wir Wurzel fassen wollen, und in demselben Maße verringert sich das Maß des Bodens, den der Nationalfonds zu kaufen in der Lage ist. Und dies noch mehr durch eine weitere Ursache, die nicht am Geldmangel liegt: viele der Eingeborenen, deren nationales Verständnis seit der türkischen Revolution zu wachsen begonnen hat, blicken — wie denn sonst — mit schelem Auge auf den Verkauf des Bodens an „Fremde" und bemühen sich nach Kräften diesem „Uebel" zu steuern. Und die türkische Regierung — welches immer ihre Anschauung über unsere Arbeit sei — kann die Araber nicht unseretwegen erzürnen: sie kommt so nicht gut auf ihre Rechnung. So wird der Bodenkauf immer schwieriger, und der Begriff: „Erlösung des Landes" (oder besser: des Bodens) wird immer eingeschränkter, so daß jeder, der in Palästina lebt und die Augen nicht verschlossen hat, den Nationalfonds nicht so ansehen kann, wie er seinen Gründern vorschwebte, als den künftigen Herrn des ganzen Bodens Palästinas oder wenigstens seines größten Teils. In Palästina sieht und versteht man, daß alles, was wir mit schwerer, langer Arbeit erreichen können, sei es mit Hilfe des Nationalfonds, sei es auf anderen Wegen, nur dies ist: uns viele Punkte über der ganzen Fläche des Landes zu erwerben und unsere „Punkte" an Wert gleich zu machen dem ganzen uns umgebenden Landgebiet. Darum spricht man in Palästina nicht viel von künftiger „Erlösung des Landes", sondern arbeitet in Geduld und mit schweren, komplizierten Mitteln, um einen neuen Punkt und wieder einen neuen hinzuzufügen. Man „denkt nicht an die Endpunkte", man fragt nicht: „was werden uns diese helfen?" weil alle empfinden, daß diese Punkte, als solche, künftig Festungswerke sein sollen für den Geist unseres Volkes, und man braucht sie gar nicht anzusehen wie erste Schritte zur „Eroberung des Landes", um zu finden, daß die Sache alle Mühe wert ist. Man sieht dann auch die längst bestehenden Kolonien, die in Schmerz geboren und in Not und so vielen Leiden herangewachsen sind — und auch sie können die Phantasie 170