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Palästina · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Gründer
Date
1912-01-01
Page
Seite 165 (sequence 4)
Language
German
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der Mensch über den Menschen zu seinem Übel herrscht. Wie Jetzt die weißen, schneebeladenen Wolken im Norden und Westen droben, so hängen uns zu Häupten Wolken antisemitischer Vergiftung, und dieses Gift verbreitet sich sogar in unserem Lande. 'Und wenn wir auch sagen könnten, daß wir hier Frieden haben werden, so werden wir doch immer in der Minderzahl und unter den Füßen der gewalttätigen Mehrheit sein. Der Herr soll nicht lachen, ich will es, ohne Scham, in klaren Worten sagen : man müßte ein Wort, einen Satz oder auch nur ein Lied von einigen Worten erfinden, das die Kraft hätte, wenn es der Gewalt Leidende oder jemand, der ihm zur Seite steht, ausspräche, sofort die Hände des Gewalttäters schlaff zu machen, daß er nichts Böses tun könnte." „Der Herr lache nicht. Die Macht des Wortes ist die stärkste Macht der Welt. Nehmen wir einen Mann, der ruhig seines Weges geht und auf ein Wort, daß wir ihn hören lassen, vermag er, gewollt oder ungewollt, Taten auszuführen, die er vorher nicht für möglich gehalten hätte. Haben nicht durch die Kraft des Wortes die Fischer vom Kinereth und Jordan den furchtbaren Arm Roms gebrochen? hat nicht ein kleines Lied von wenigen Strophen die ganze französische Revolution hervorgerufen? Mögen sie tausendmal lachen, aber das eine steht fest: durch Worte ward die Welt geschaffen und durch Worte wandelt sie ihre Formen." „Schließlich, wenn wir solch ein Wort erlangen, das die Kraft hat, die Gewalt des Gewalttätigen zu hindern, dann lassen wir es auch die Völker hören, und in Kurzem werden sie ihren Irrtum erkennen und uns von allen Enden der Erde hieherbringen und auch . . . ." Die Augen Secharjah's drückten soviel Sehnsucht aus, sein Blick soviel Schmerz, sein Angesicht soviel Schönheit, daß ich mich scheute seine Zauberwelt zu zerstören und darum sagte ich ihm : „Gut, mein Lieber, sagen wir, daß dein Wunsch erfüllt ist, du hast das wunderbare Wort gefunden, das mit Gewalt dem Bösen seine Bosheit verwehrt. Aber sage mir, welchen Sinn und Gedanken das Leben haben wird, wenn wir alle willenlos und wie das liebe Vieh Gras fressen werden." „Ach, mein Herr", rief Secharjah, indem er mich erregt bei der Hand faßte, „es ist wirklich ein wichtiger Einwand, den man jetzt erhebt gegen das erhoffte Glück der Messiastage; wenn wir die Sache aber genau betrachten, dann sehen wir, daß der Mensch zuviel Macht besitzt darin, daß er dem Anderen Böses zufügen kann. Solange er auf der Erde lebt, von Kain bis jetzt, hat der Mensch gezeigt, daß er gar kein Recht dazu hat. Genug wenn er die Wahl hat, das Gute zu tun oder es zu unterlassen. Aber daß er König sei auf der ganzen Erde, um Böses zu tun und Verderben zu stiften, wozu? Soll die Lust der Welt sich ein wenig abstumpfen durch den Verlust der freien Wahl des Bösen, aber wieviel Schönheit und Licht wird dann herrschen durch die Sicherheit vor dem wildesten Tiere : dem Menschen, der die ganze Welt täglich mit Gewalttaten erfüllt, der die Erde mit Strömen von Tränen und Blut bedeckt. Besser zu den Bedrückten zu gehören, gleich Ibn Mustapha, als zu den gewalttätigen Bedrückern wie der Ghajal. Lieber möchte ich für die Ge- 165

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