Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Gründer
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
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hat er eine solche Hütte gegeben, die besonders rein gehalten war — es war sogar der Boden mit Kalk bestrichen und die ausgebreitete Matte war immer gewaschen und glänzte wie weißer Atlas. Dieser Salim hatte nur eine Frau, darum waren auch dort nicht jene häßlichen Zänkereien zu hören, die man in manchen Fellachcnhäusern zu hören bekommt, wenn sich die Kinder der verschiedenen Mütter miteinander zanken, jede Mutter ihr Kind in Schutz nimmt, bis endlich der Vater mit der Macht seiner Fäuste die Kinder samt den Frauen zur Ruhe zwingt. Die Frau Salims ging im Hof mit offenem Gesicht umher und nur, wenn ein Fremder an das Tor klopfte, verhüllte sie sich rasch mit ihrem Schleier, der sonst über ihrem Kopfe zusammengefaltet war. Ihre hohe und aufrechte Gestalt, wodurch sich die Araberinnen überhaupt auszeichnen, und das Bewußtsein, keine Nebenbuhlerin im Hause zu haben, vei liehen ihr eine gewisse Würde. Mustapha war der beider, einziges Kind. Er war mit mir von gleichem Alter und auch schwächlich wie ich, deshalb hat man ihn auch zu keiner Arbeit zugezogen. Mustaphas Lieblingsspiel war ein kleines Schäfchen, das ein kleines Glöckchcn trug: sowie ein Amulet, um es vor dem „bösen Blick" zu schützen. Und es war wirklich ein außerordentliches Schäfchen. Seine Wolle war fein wie Seide und gekräuselt wie bei Karakulschafen, seine Augen erweckten Mitgefühl, es verstand zärtlich zu tun wie ein Hündchen, drei Füße einzuziehen und um den vierten sich zu drehen und ähnliche Kunststückchen, die es von Mustapha lernte. Begreiflicherweise war dieses Schäfchen auch Salim und seinem Weibe teuer und ohne dasselbe mochten sie weder essen noch trinken. Eines Tages nun war mein Vater verreist, und ich und Mustapha saßen um die Abendzeit bei dem umsäumten Plätzchen und spielten mit dem Schäfchen. Die Feilachin war im Hofe beschäftigt, Salim war gerade von der Arbeit gekommen, setzte sich auf den Stumpf eines Feigenbaumes und wischte mit dem Rockärmel den Schweiß von seiner Stirne. Da hörte man plötzlich ein heftiges Pochen an das niedrige Tor. Salims Frau zog rasch den Schleier übers Gesicht und ehe noch Salim das Tor öffnen konnte, trat schon in den Hof ein gesunder, dicker Chajal*), hinter sich ein starkes Pferd führend. „Ibn Mustapha! Gerste für mein Pferd, rasch!" rief der Chajal mit befehlender Stimme. Salim erfüllte rasch den Befehl, und nach wenigen Augenblicken hörte man das Wiehern des Pferdes über der vollen Krippe. „Bring', Salim, Essen für mich!" rief weiter der Soldat. Salim eilte auch diesen Befehl zu erfüllen, und stellte schnell auf die Matte, die vor uns lag, von dem Besten, was sein Haus bieten konnte. Der Soldat entlud sein Roß, streckte sich dann auf der Matte aus und begann zu essen. Die Sonne war bereits untergegangen, ein runder Mond beleuchtete den Hof mit seinem Silberlicht und drang auch in die Hütten ein, und *) Türkischer Soldat. 146