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Palästina · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 145

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Gründer
Date
1912-01-01
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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von dem wir aus die Berge Zion und Moriah sehen, auf denen auch unsere Propheten standen und vor dreitausend Jahren über dasselbe Thema sprachen!" „Ja, mein Herr, diese Frage begann schon in meiner Kindheit sich in mein Gehirn einzubohren; es scheint mir, daß es der Einfluß der Bibel war, in die ich mich sehr versenkte — und es verschärfte sich diese Frage für mich durch einen sonderbaren Zufall, durch eine sonderbare Szene, die ich einmal in meinen Kinderjahren sah und die noch immer lebendig mir vor den Augen steht." Hier unterbrach sich Secharjah, nahm seinen Hut herab, strich mit seiner schmächtigen Hand durch seine schwarzen Haare und über die Stirn, schloß ein wenig die Augen, als ob er sich konzentrieren und auf alle Einzelheiten besinnen wollte, setzte den Hut wieder auf und sagte: „Das war vor zwölf Jahren. In jenem Sommer hatte ich an heftigem Fieber gelitten und war so schwach, daß die Aerzte mir jedes Studium verboten außer leichter Lektüre in der Bibel und im „Ejn Jakob" *), auch wurde mir empfohlen, die Luft zu wechseln. Mein Vater ist nicht reich, darum konnte er mir nicht in einer der Kolonien Verpflegung und einen Menschen, der mich besonders gepflegt hätte, verschaffen — darum nahm er mich ins Dorf Maar**) mit, das wegen seiner frischen Luft bekannt ist und inmitten der Schefelah***) auf einem hohen Berge steht. Mein Vater hatte dort Weizen für „Schemurah- Mazzot" ****) gekauft und mußte nun gegen zwei Monate bis zum Ende des Drusches im Dorfe sitzen. Wir wohnten bei einem Fellachen, dessen Haus an erhöhter Stelle des Dorfes, nämlich auf der höchsten Abhangterrasse des Berges stand, ich konnte mich im Feigen- und Sykomorengarten des Bauern ergehen, und vom Hofe aus gab es einen prachtvollen Fernblick auf die Ebene, auf die judäischen Berge und auf die benachbarten Kolonieen. Bekanntlich zeichnen sich die Fellachen durch ihre Unreinlichkeit aus. Da» hat gewiß verschiedene Ursachen. Das Vieh lebt bei ihnen im Innern des Hauses. Rings um den gemeinsamen Hof sind niedrige Häuschen gebaut aus Lehm oder Steinen ohne Kalk, darin einzelne Kammern, je nach der Zahl der Bewohner; jede Kammer aber enthält zwei Abteilungen: die erste für das Vieh, die zweite für den Menschen. Die Decke ist ganz niedrig und alles mit Lehm bestrichen. Dort ißt, trinkt und schläft der Fellache. Aber wozu dem Herrn all dies erzählen, was er ja gewiß alles gesehen hat. Wie immer, der Schmutz in jenen Hütten ist fürchterlich. Aber der Fellach Salim, bei dem wir damals wohnten, bildete eine Ausnahme. Sein eigentliches Haus war zwar wie die anderen Häuser gebaut, aber im Hofe standen einige kleine Hütten, die waren an das Haus angelehnt und auf der gegenüberliegenden Seite gegen den Hof hin geöffnet. Auch uns *) Sammlung des talmudischen Sagenstoffes **) Dorf in Palästina. ***) Das Vorland des jüdischen Gebirges.!***) Mazzot, deren Erzeugung besonders strenge beaufsichtigt wird. 145

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