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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
Auf nationalem Boden
Date
1912-01-01
Page
Seite 105 (sequence 4)
Language
German
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und der insbesondere die am Eingang in die Moschee etablierte Schule in seltener Sauberkeit, ja sogar in einer gewissen Schönheit hielt. Diese Gegend also war es, wo der Nationalfonds 1905 (anfangs im Verein mit der Anglo-Palestine-Bank) mehrere tausend Dunam ankaufte, die allerdings durch mehrere Jahre brach liegen mußten. Bald wurden zwei größere Gebäude errichtet, von denen das eine für die Landwirtschaftsschule Kirjat-Sefer, das andere für eine kleine Oelfabrik bestimmt war. Letzteres steht in der Ebene, ersteres auf einer kleinen Anhöhe. Die Fabrik gehört der bekannten „Atid"-Gesellschaft und wurde jüngst von einer französischen Gesellschaft gepachtet. Zu jener Zeit allerdings war die ganze unmittelbare Umgebung von Kirjat-Sefer noch völlig kahl. Kein Baum, kein Schatten, ja fast kein Wasser, denn dasselbe mußte immer erst von einer Pumpe, die im Fabrikshause stand, heraufgeführt und dann gewöhnlich erst abgekocht werden.*) Die Schule erlebte — fast ohne Mittel eröffnet — nur zwei kurze Unterrichtsepochen mit einer längeren Unterbrechung. Immerhin brachte sie etwas jugendliches Leben. Zwar fehlte für den Betrieb der Schule das Allernotwendigste, vor allem auch die Landwirtschaft selber. Trotzdem zeigte sich wenigstens, daß eine solche Art der Schule, die auf freiem Lande, in einem eigenen Milieu geführt wird, Kindern, die erst aus dem Cheder Rußlands oder Jerusalems kamen, unendlich viel geben kann. Ein Knabe aus Jerusalem, der — trotzdem die Schule schon vor dem Ende stand — seinem begüterten Vater in keiner Weise zurückfolgen wollte, bewies schon deutlich, welcher merkwürdige Zug in einigen dieser Kinder lebte. Die wenigen primitiven Anpflanzungen vor dem Hause, die erste Kuh, mit der Kolonistenkinder pflügen konnten, bildeten Lichtpunkte in der sonst nicht sehr glücklichen kurzen Geschichte dieser Schule. Versteht sich, daß auch ausschließlich hebräisch gesprochen wurde, auch von jenen, die bis vor kurzem nur Jargon oder Russisch verstanden hatten. Im Frühjahr 1908 wurde neben der Fabrik die Baumschule des „Jaar- Herzl" (des Herzlwaldes) angelegt. Es war schön zu sehen, mit welch liebevoller Sorgfalt der Beamte der neuen Pflanzungen täglich nach den jungen Schößlingen sah. Später machte er auch Versuche mit verschiedenen europäischen Obstsorten. Sein Arbeitsgebiet war ein größeres, als im Jahre 1909 Hulda, das durch die Bahn erreicht werden mußte, hinzukam. Nicht lange nach Schließung der Schule wurde hier — ähnlich wie bereits früher in Kineret - unter der Leitung eines diplomierten Agronomen (der früher Lehrer der Schule gewesen war), zu dem bald noch ein zweiter berufen wurde, eine landwirtschaftliche Farm eingerichtet, auf welcher durchschnittlich 30 bis 40 Arbeiter beschäftigt sind. Es begann nun wirklich Bäume und Felder zu geben. Aucheinige Arbeiter der Fabrik hatten schon früher kleine Landstückchen in Pacht genommen und diese verleibten dem Platze wieder eine nationale Erinnerung ein, indem sie vor etwa zwei Jahren am fünfundzwanzigsten Todestage Smolenskis einen Smolenskihain stifteten, der aus verschiedenerlei Nadelhölzern besteht. Die Kolonie wird zunächst *) Gegenwärtig wird ein künstlicher Brunnen hergestellt. 105

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