Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Auf nationalem Boden
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379848-2379852-2415741--04129-2415849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mit dem arabischen Namen Bet-Arif, dann als Ben-Schamen bezeichnet, dank der reichen Oelkultur, die einst und jetzt hier eine Stätte hat. Ein eigenartig neues Bevölkerungselement kam zu der kleinen Ansiedlung hinzu, als im vorigen Winter der „Bezalel" seine erste ländliche Filiale hier einrichtete. Eine Werkstätte und mehrere schmucke kleine Häuschen erstanden über der Ansiedlung, wo nun zehn Familien jemenitischer Juden wohnen. Es sind durchwegs äußerst bescheidene und fleißige Menschen. Zur Ehrung des Bezalel hat dann auch einer der in der Fabrik Angestellten, der hier mit seiner Familie seit den „ersten Tagen" eine wirkliche Wirtschaft führt (mit Feldern, Kühen usw.) ein „Hotel Bezalel4' etabliert, das wohl nicht zu luxuriös gedacht werden möge. Auch Kinder des jüngsten Geschlechts sollen schon den Namen „Bezalel" tragen. In der letzten Zeit wurde die Absicht, eine Art landwirtschaftlicher Ausbildungsstätte zu schaffen, insofern ins Werk gesetzt, als eine Art Volontärschule in landwirtschaftlichen Dingen gehalten wird. Es ist wohl zu hoffen, daß aus vielen kleinen Anfängen auch hier einmal etwas Ganzes werde. Die gesunde und im Verhältnis zu den judäischen Kolonien ziemlich zentrale Lage einerseits, die einheitliche Leitung andererseits, die das nationale statt des bloß privatwirtschaftlichen Moments im Mittelpunkte erscheinen läßt, mögen dafür bürgen. E. Mülle r. V Aus Zeitschriften. Achad Haam über Palästina. Im Märzhefte des „Hoschiloach" veröffentlicht Achad Haam unter dem Titel „Sach Hakol" (Resume)*) einen Aufsatz über die Gesamteindrücke seines mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Palästina, der ein merkwürdiges Gegenstück bildet zu jenen Aufsätzen, die er nach seinen beiden ersten größeren Palästinareisen (die letzte im Jahre 1900; seither weilte er noch einmal erholungshalber in Palästina) zum Teil unter dem Titel „Wahrheit aus Erez-Israel" veröffentlicht hat. Mit trüben Erinnerungen aus vergangenen Tagen sei er gekommen und er freue sich, nunmehr in Hinsicht auf die Entwicklung des Jischuw optimistisch sein zu können. Immerhin spricht er sich über manche Erscheinungen skeptisch aus. Es könne sich unter den herrschenden Bodenverhältnissen nicht um einen Loskauf des ganzen Bodens handeln, sondern immer nur um möglichst viele Punkte im Lande, die aber an Wert gleich gemacht werden können der ganzen übrigen Fläche des Landes. (Warum sollen nicht auch größere zusammenhängende Gebiete in jüdischen Besitz gelangen können?) In den Kolonieen ist ein sichtlicher Aufschwung, auch in Hinsicht auf die ganze Stimmung, wahrnehmbar. Wenn früher Klagen und Anklagen gegen die Beamten fast ausschließlich gehört wurden, so blicken jetzt die Kolonisten, die bald die letzte Spur der Abhängigkeit abstreifen wollen, *) Wir behalten uns vor, den interessanten Aufsatz in größerer Ausführlichkeit, eventuell vollständig abzudrucken. 106