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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
Auf nationalem Boden
Date
1912-01-01
Page
Seite 104 (sequence 3)
Language
German
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Die ganze Gegend scheint einst dicht besiedelt gewesen zu sein. „Lud" wird bereits in der Bibel erwähnt. Besonders in den Zeiten des zweiten Tempels und nach der Zerstörung Jerusalems in frühtalmudischer Zeit muß hier ein gewisser Kulturmittelpunkt gewesen sein. In den benachbarten Bergen spielte sich sicherlich ein großer Teil der Makkabäerkämpfe ab. So liegt die Heimat und die Grabstätte der makkabäischen Familie(Modiin) nur etwa zwei Wegstunden von hier bei dem Dorfe Medije, wie ein französischer Forscher festgestellt hat. Es ist daher in den Chanukkahtagen ein vielbesuchter Ausflugsort geworden. Ein Dorf, das eine Viertelstunde von Ben-Schamen entfernt ist, trägt den Namen einer makkabäischen Festung (Hodid.) Ein anderes Dorf führt noch jetzt den Namen Dachimzu, sich so als die Heimat eines tannaitischen Gelehrten, des Nachum aus Gimzu, ankündigend, dessen Name allerdings auf seinen Lieblingsausspruch (Gsm su letowah — Auch dies ist zum Guten) zurückgeführt wurde. Lydda besnß auch die größte talmudische Lehrstätte, die mit dem Namen des Rabbi Akiba verknüpft ist, aber auch mit den blutigen Verfolgungen seitens der Römer nach dem unglücklichen Ausgang des Barkochba-Aufstandes. Später soll Lydda, das schon lange eine griechische Bevölkerung hatte und den Namen Diopolis bekam, in der griechischen Kirche als Bischofssitz eine große Rolle gespielt haben. Es gilt als Grabstätte des heiligen Georgs des DrachentÖters, der (nach Eberhard) eine Art Volksheiliger — auch für Mohamedaner — wurde. Im 13. Jahrhundert wurde Lydda von Mongolen verwüstet und verlor seitdem jede Bedeutung. Reste aus alter und neuer Zeit würden sich vielleicht noch auffinden lassen. Massenhaft findet man noch kleine Mosaikstückchen unmittelbar auf dem Erdboden zerstreut, hier und da auch Münzen vor. Gleich der nächste Hügel enthält mehrere in Stein gehauene rechteckige Kammern, die vielleicht Gräber oder eine Art Vorratskammern bildeten. Auch Oelkeltern sind sehr verbreitet und als die Schüler von Kirjat Sefer im Hofe die stärksten Unebenheiten planieren wollten, stießen sie auf eine solche Kelter. Mit der arabischen Landbevölkerung kommt man hier in ziemlich unmittelbare Fühlung. Es sind auch einige recht drollige Typen darunter. Eine interessante Szene wurde mir geschildert, die sich vor einem Jahre in dem großen Hofe zutrug. Es hatten einige Araber aus einem Nachbarn dorfe einen Ueberfall auf die Bezalelhäuser versucht. Es gelang den Arbeitern der Farm bald, den Angriff abzuwehren. Aber es schleppten sich Anzeigen und Unterhandlungen durch Wochen hin. Da wandten sich die Araber an den Leiter des jüdischen Palästina-Amtes in Jaffa, den sie als Schiedsrichter anerkannten. Und zwar mußte die Verhandlung auf ganz patriarchalische Weise geführt werden. Dr. R. stand in der Mitte, das halbe Dorf bildete einen Kreis um ihn. Allerdings gingen die Araber auf die Forderung, zuerst bedingungslos jede Fortsetzung eines Ueberfalls zu unterlassen, aus Stolz nicht ein und verließen einfach den „Gerichtsplatz". Wohl erinnerlich ist mir auch ein anderes Dorf, dessen Bewohner sich durch eine gewisse Feinheit und verhältnismäßige Intelligenz auszeichneten. Dies war zum Teile dem Schullehrer zu verdanken, der, ein geborener Tscherkesse, sogar eine Art Universitätsbildung hinter sich hatte 104

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