Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Ein historischer Rückblick
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 5)
- Language
- German
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Aber Zeit und Umstände aller Art schienen ihm dagegen zu sprechen, daß der Pian jetzt schon verwirklicht werde. Kremenezky bat den Kongreß dringend, die Errichtung des NF. doch nicht noch länger hinauszuschieben, „den Nationalfonds aus dem vierten Kongreß als vollzogene Talsache hervorgehen" zu lassen . . . „Ueber die Details werden wir uns nachträglich verständigen." Ohne daß die Delegierten in eine Debatte über die Frage erst eintraten, schienen sie sich doch wohl den juristischen und sonstigen Bedenken Bodenheimers anzuschließen, die Bitte Kremenezkys verhallte ungehört. Nur eine Resolution wurde angenommen, wonach der Kongreß die Schaffung eines NF. für wünschenswert erklärt und das AC. beauftragt, die vorbereitenden Schritte zu unternehmen. Alle Vorarbeiten sollten besorgt, mit der Tätigkeit aber erst dann begonnen werden, wenn die damals noch immer im Gründungsstadium befindliche Kolonialbank arbeitsfähig sein würde. So entschied man sich dann im AC. Natürlich konnten die projektierten Marken nun auch noch nicht ausgegeben werden und da kein anderes Sammelmittel vorgesehen war, wurde das Projekt auch nicht etwa dadurch gefördert, daß vielleicht schon dafür gespendet worden wäre. Erst nachdem die Tagesordnung für den fünften Kongreß publiziert war, die die Begründung des Nationalfonds in Aussicht stellte^ begannen allmählich ganz spärlich in der „Welt" Spenden für den JNF. aufzutauchen. Die letzte „WeltNummer vor dem Kongreß brachte eine offizielle Darstellung des Projektes. Als Basis des Ganzen, als Hauptsammelmittel waren auch jetzt die schon früher vorgeschlagenen Marken vorgesehen, die dann auch bald nach dem Kongreß in riesigen Quantitäten hergestellt wurden, die ja auch wirklich in großer Menge vorhanden sein mußten, sollte wirklich jede Spende mit Ausnahme der für das auch schon projektierte „Goldene Buch" durch Marken quittiert werden, die der kleinsten gangbaren Münze eines jeden Landes entsprächen. Der Kongreß stimmte durchaus nicht ohne Weiteres dem Entwürfe Kremenezkys zu. Wohl wurde auf Grund desselben am Sabbatmorgen, wie Herzl sagte, der Nationalfonds „inauguriert, an einer Stelle, die hoffentlich nicht das Mißfallen unserer frommen Gegner hervorrufen wird": beim Aufrufen zur Thora in der Baseler Synagoge waren ihm die ersten großen Spenden geweiht worden. Aber 24 Stunden später schien es fast so, als würde abermals die lange kostbare Zeit bis zu einem nächsten Kongreß oder noch länger ungenutzt verstreichen, ehe der Nationalfonds endlich ins Leben treten würde. Herzl fürchtete schon selbst, daß die ganze bisherige Arbeit, die das AC. für den NF. zu leisten sich bemüht hatte, vom Kongresse zunichte gemacht werden würde. Die einen wollten die Gründung überhaupt hinausgeschoben haben, bis der Fonds irgendwo legalisiert sein würde, die andern sie nur provisorisch vorgenommen wissen. Die Meinungen wogten hin und her und Herzl mußte sich mit der ganzen Autorität seiner Persönlichkeit dafür einsetzen, daß der Kongreß über all die juristischen, formalistischen und anderen Bedenken hinwegging, die da vorgebracht wurden, und mit einer nicht gerade großen Majorität — 105 gegen 82 — den Entwurf annahm und so am 29. Dezember 1901 den „Jüdischen Nationalfonds, Keren kajemeth Le Jisroel" definitiv ins Leben rief, — wahrlich ein bedeutender Moment in der Geschichte unseres Volkes! Das 90