Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Die wirtschaftliche Haltung des Milchviehs
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Audjcgebiet ist zwar sehr feucht. Man könnte aber eine Drainage vornehmen. Um die Feuchtigkeit abzulenken, wollen Sie Rohre nach dem Muster z. B. vom Syrischen Waisenhause bei Jerusalem verwenden. Damit die Rohre bei den Oeffnungen, wo sie zusammengesetzt sind, nicht bewachsen und dadurch verstopft werden, müssen die Oeffnungen der Rohre in Karbolineum eingetaucht werden. In Deutschland halten solche Rohre über 50 Jahre bei einer Tiefe von 90 bis 1C0 Ccntimeter. Mein Vorschlag geht also dahin, in der Nähe der Stallungen einen Laufhof für die Tiere einzurichten und für das Jungvieh und Zuchtvieh eine genossenschaftliche Weide am Audje anzulegen. Uebergehend zur Rassenfrage glaube ich, daß wir alle darin einig sind, daß wir hauptsächlich nur mit der besseren einheimischen Rasse zu rechnen haben. Herr Direktor Keller in Wilhelma hat dankenswerter Weise vor einiger Zeit einen ostfriesischen Bullen versuchungsweise eingeführt. Die Kühe, die mit diesem Bullen gekreuzt wurden, haben ziemlich schwer gekalbt, weil der ostfriesische Bulle eine sehr breite Stirn hat. Vorläufig rate ich Ihnen ihre Kühe vornehmlich mit Libanonrasse-Bullen oder mit einem besseren Damaszenerbullen zu kreuzen. Die einheimische kleine Rasse ist gegen Krankheiten zwar sehr widerstandsfähig, jedoch ist ihre Miichpioduktion gering. Ich will Ihnen jetzt noch einiges über Grünfutter sagen. Ich bin überzeugt, daß die Seradella für das hiesige Klima eine passende Pflanze ist, jedoch bekommen Sie auch hier gewöhnlich nur alte Saat. Ich werde Seradella auf meinem Gute in Deutschland säen, um Ihnen eine absolut zuverlässige Saat herschicken zu können. Gewöhnlich wird die Seradella teilweise in der Blüte abgeweidet, ein kleiner Teil wird für Samenzucht bestimmt. Die Pflanze wird vom Rindvieh sehr gerne genommen. Ein Junge genügt, um das Vieh auf der Seradella zu hüten, sie laufen allein hin und sobald die Tiere satt sind, gehen sie allein zurück. Außer der Seradella eignet sich für Sie, insbesondere für Kalkböden, die Esparsette, auch türkischer Klee genannt Er kann grün gefüttert werden, ha t auch 3 bis 4 Jahre als Dauerfuttcr aus. Ein Dauerfutter ersten Ranges bildet die Luzerne ohne Bewässerung. Diese Pflanze, die sich dem hiesigen Klima und Boden in ganz besonderer Weise anpaßt, wird von der amerikanischen Kolonie in Jerusalem, die auch eine Milchwirtschaft unterhält, zuerst in größerem Maße hier ohne Bewässerung kultiviert. Ich halte Gelegenheit bei meiner jetzigen Anwesenheit in Jerusalem diese Pflanze im hiesigen trockenen Kalkboden kennen zu lernen. Es wurden mir folgende Daten angegeben. */» Dunam Boden gab in 2 Schnitten einen Ertrag von 6000 Kg. Luzerne. Die Luzerne wutde neunmal im Jahre gemäht und zwar am 28. April, 14. Mai, 5. Juni, 7. Juli, 31. Juli, 22. August, 21. September, 21. Oktober und 20. November. Die Luzerne war 60 Ctm. hoch. Die Bearbeitung einer solchen Luzernenanlage ist folgende: Der Boden wird im Frühjahr auf arabische Art aufgelockert. Der Boden wird sodann sehr sorgfältig von Unkraut gesäubert. Man kann den Boden mit Superphosphat oder mit Thomasschlacke düngen, auch kann man etwas Kali beigeben, aber nie Stickstoff Die erste Saat muß vollständig ein- 85