Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Palästina-Honig-Produktiv- und Konsumgenossenschaft
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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denen Punkten des Landes für die Bienenzucht verschieden geeignet sein könnten und ein zufällig falsch gewählter Punkt ein ganz verkehrtes Bild ergeben könnte. Den Arbeitern dürfte auch die Möglichkeit des Erwerbes der ihnen zur Pflege übergebenen Bienenstücke durch Abzahlung gegeben werden, damit sie sich mit der Zeit von der Genossenschaft unabhängig machen können. Welche Bedeutung die Bienenzucht erlangen kann, möge man aus folgenden Daten entnehmen: Bei der Viehzählung am 1. Dezember 1892 gab es in Deutschland 2,034.479 Bienenstöcke, welche 20,000.000 kg Honig lieferten (19G0 waren es 2,605.350 Bienenstöcke). In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika ergaben 2,800000 Bienenstöcke 30,000.0C0 kg Honig, durchschnittlich also ebenso wie in Deutschland ca. 10 kg. Honig pro Stock. (Die erwähnte absolut zuverlässige Quelle gab für Palästina den doppelt so hohen Ertrag pro Stock an, was vielleicht durch das Klima und die Flora Palästinas zu erklären ist.) Deutschland importierte 1900 2,000.000 kg, und zwar aus Chile 1,000.000 kg, aus Kuba 300.000 kg, aus den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika 100.000 kg, aus Domingo 100.000 kg, den Rest aus anderen Ländern. Die Jahresproduktion von Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Spanien und den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika betrug 97,000.000 kg. Ein Vielfaches des natürlichen Honigs, schätzungsweise mindestens das Doppelte, vielleicht aber das 3-4 fache, wird in Deutschland noch an Kunsthonig konsumiert. Trotz der Produktionssteigerung von 1892 bis 1900 um rund 30 % ist bekanntlich der Honigpreis infolge des gesteigerten Konsums nicht zurückgegangen. Der gewaltige und immer steigende Honigkonsum wird daher auch einen weiteren Import aus Palästina ohne Preisdruck aufnehmen können. Gelingt der vorgeschlagene Versuch der Organisierung der Honig-Produktion und des Honig-Konsums, so eröffnet sich für uns eine neue Möglichkeit der Förderung der palästinensischen Kolonisation. Ich habe Daten für eine ganze Reihe von Artikeln, die zum Teile in Palästina bereits produziert werden, zum Teil bei gesichertem Absatz produziert werden könnten, die sich für den Vertrieb durch eine Konsum-Genossenschaft durchaus eignen würden. Gut arbeitende Konsum-Genossenschaften palästinensischer Produkte sind ein unbegrenzter Markt für palästinensische Erzeugnisse, ohne daß wir an die Opferfreudigkeit der Genossen zu appellieren brauchen, da der Zusammenschluß zum gemeinsamen direkten Bezug oder sogar zur Produktion der Produkte jedem einen direkten doppelten Nutzen bringt; er bekommt die Ware, die er sonst auch kaufen würde, gut und billig und erhält noch eine Dividende auf sein Anlagekapital. 82