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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 71

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
Die Landarbeiterfrage in Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 71 (sequence 8)
Language
German
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Arbeiter durch den Besitz von einigen Mitteln eine Garantie bietet, d. h. ■wenn ein eventueller Verlust in erster Linie ihn selbst trifft. Die Frage ist, wie der Arbeiter, der doch in der Regel nach Palästina ohne Mittel kommt, in den Stand gesetzt werden kann, die genügenden Mittel zu erwerben, welche die Basis für eine Kreditgewährung bilden können. Wir denken dabei an eine Kreditgewährung, wie sie z. B. auch bei der Kolonisationstätigkeit der preußischen Regierung in den preußischen Ostprovinzen Anwendung findet, ohne welche die Kolonisationstätigkeit überhaupt undenkbar wäre. Hier wird dem Ansiedler das unbewegliche Vermögen (Boden und Gebäude) ohne Anzahlung auf Kredit überlassen, sofern er zur ersten Bearbeitung des Bodens und zur Anschaffung des beweglichen Inventars ein Drittel oder zwei Fünftel des Wertes von Haus und Boden besitzt. Nach derselben Regel müßte also ein Arbeiter, d.Mii ein Kredit von 2000 Frcs. zum Bau eines Häuschens und zum Ankauf von 10 bis 20 Dunam Boden gegeben wird, mindestens etwa 1000 Frcs. eigene Mittel besitzen und der Arbeiter, der als Kolonist 200 Dunam Boden und ein größeres Haus nötig hat und dafür einen Kredit von etwa 10.000 Frcs. braucht, müßte wenigstens 3000 bis 3500 Frcs. sein eigen nennen. Bei den jetzigen Lohnsätzen für Landarbeiter ist es fast unmöglich, daß der Arbeiter hiervon Ersparnisse macht. Wir sehen den einzigen Weg, um ihm Ersparnisse zu ermöglichen, in der Ausdehnung des Systems der Gewinnbeteiligung des Arbeiters an dem Betriebe, in dem er tätig ist. Der Arbeiter soll die Gewinnbeteiligung nicht umsonst erhalten. Sie soll vielmehr ein Aequivalent dafür sein, daß er eine übernormale Arbeit leistet. Der Arbeiter, der in einer Farm als Lernender gearbeitet hat und der noch 1 bis 2 Jahre bei Privatleuten beschäftigt war, ist dafür reif, um in eine Stellung einzutreten, wo er gegen erhöhte Arbeit und gegen erhöhte Verantwortlichkeit außer dem üblichen Arbeitslohn noch einen Gewinnanteil erhält, der ihm in 4 bis 5 Jahren die Ansammlung eines kleinen Kapitals, eben jene notwendige Kreditbasis ermöglichen soll. Für die Gewinnbeteiligung sehe ich drei Systeme: 1. Die Arbeitergenossenschaft. Eine Reihe von Arbeitern treten zu einer Genossenschaft zusammen, um einen Boden, der ihnen mit den nötigen Gebäuden und mit dem nötigen Inventar überlassen wird, zu bearbeiten. (Beispiel: Arbeitergenossenschaft in Dagania.) Diese Form steigert das Verantwortlichkeitsgefühl der Arbeiter auf den höchsten Grad, weil die Arbeiter hiebei ganz auf sich selbst angewiesen sind und sie ist der Psychologie der freiheitsdurstigen russischen jungen Leute besonders gut angepaßt. Die Fehler dieses Systems sind: a) daß in dieser Genossenschaft die Frau keinen Platz hat und dadurch wichtige Nebenzweige der Landwirtschaft, die mit Erfolg eigentlich nur von Frauen getrieben werden können, weglallen. Insbesondere läßt sich aus diesem Grunde keine Milchwirtschaft einrichten und infolge dieses Mangels wiederum kann der dem Boden entzogene Nährstoff nicht durch genügenden Dünger ersetzt werden, infolgedessen sich der Boden entweder verschlechtert oder jedes dritte Jahr als Brache liegen gelassen werden muß; 71

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