Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Die Landarbeiterfrage in Palästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erfahrung zeigt, daß dieser Klimawechsel mit mancherlei Gesundheitsstörungen verbunden ist. Auch die epidemischen Krankheiten des Landes (Malaria, Dysenterie) pflegen gerade dem neuen Ankömmling lästig zu werden. In den meisten Fällen können diese Folgen des Klimawechsels und die epidemischen Krankheiten des Landes vermieden werden, wenn der Arbeiter von vornherein in geordnete Lebensverhältnisse hineinkommt, sich den wichtigsten hygienischen Vorschriften anbequemt und ärztliche Hilfe leicht erreichen kann. Bis jetzt ist es den neuen Arbeitern in den Kolonieen sehr schwer, in geordnete häusliche Verhältnisse zu kommen. Das Essen, das sie in den sogenannten Arbeiterhotels der Kolonieen bekommen, ist nichts weniger als einwandfrei, und ebenso entsprechen die Wohnungen nicht den geringsten hygienischen Anforderungen. Gerade der neue Arbeiter, dessen Arbeitsleistungen unbekannt sind und der deshalb einen geringeren Lohn erhält und zeitweise auch überhaupt ohne Arbeit bleibt, also nur wenig Geld ausgeben kann, leidet hierunter sehr stark. Eine gewisse Abhilfe würde hier schon dadurch eintreten, wenn jedem neuen Ankömmling, wie wir es vorschlagen, die Möglichkeit geboten wäre, während der ersten Zeit in einer Lehrfarm mit ihren geordneten Verhältnissen zu arbeiten. Eine weitere Abhilfe läge darin, daß in jeder Kolonie ein Unterkunftshaus für ledige Arbeiter geschaffen wird, wie es durch den Jüdischen Nationalfonds in einigen Kolonien bereits geschehen ist, in denen jeder Arbeiter für sein Geld eine gesunde Unterkunft und in der mit diesem Hause zu verbindenden Küche ein einwandfreies Essen bekommt Das Haus müßte eine Douche enthalten, die Chininprophylaxe gegen Malaria müßte in ihm eingeführt sein und kranke Bewohner müßten ärztliche Behandlung und eine sachgemäßige Pflege durch eine Wärterin finden können. Ein mit dem Arbeiterhaus zu verbindender Konsumverein könnte für möglichst billige und gute Beschaffung aller leiblichen Bedürfnisse der Arbeiter sorgen. Hierdurch wird es gelingen, den als Existenzminimum des Arbeiters notwendigen Geldbetrag herabzudrücken und seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem nichtjüdischen Atbeiter zu erhöhen. Freilich hängt das Gelingen all dieser Einrichtungen von dem Organisationstalent der Arbeiter ab. Bisher ist von den Arbeitern auf diesem Gebiete wenig geleistet worden; die unter der Selbstverwaltung der Arbeiter stehenden Küchen zum Beispiel sind nichts weniger als musterhaft, was allerdings zum großen Teile daran liegt, daß es an einem geeigneten weiblichen Element für Küche und Hausarbeit fehlt. Wenn aber solche Einrichtungen in allen Kolonieen bestehen und die bereits begonnenen Versuche zur Heranbildung weiblichen Hauspersonals mit Eifer fortgesetzt werden, würde die Arbeiterschaft einer Kolonie von der Arbeiterschaft der anderen Kolonie lernen und man könnte schließlich zu guten einheitlichen Verwaltungsformen kommen. In derselben Weise wie die Arbeiterhäuser, die natürlich unter die Selbstverwaltung der Arbeiter zu stellen wären, dem leiblichen Wohle der Arbeiter zu gute kommen und den Ausgangspunkt für genossenschaftliche Hilfe bilden, würden sie auch ihrem geistigen Wohle dienen. Sie würden einen Mittelpunkt schaffen, in dem die Arbeiter nach ihrer Tagesarbeit zusammenkommen, um sich miteinander zu unterhalten und aus einer kleinen 69