Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Die Landarbeiterfrage in Palästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist unmöglich, die neuen Ankömmlinge in eine landwirtschaftliche Schule aufzunehmen und sie hier für die Landwirtschaft auszubilden, einfach deshalb, weil diese Form der Ausbildung ungeheure Mittel erfordern und übrigens auch in ihren Ergebnissen kaum besonders günstig sein würde. Bisher wenigstens zeigt die Erfahrung, daß die landwirtschaftlichen Schulen in dem Bestreben, ihre Zöglinge möglichst gut auszubilden, denselben viel mehr Kenntnisse vermitteln, als ein Bauer notwendig hat und daß diese Schüler nach Absolvierung der Schule wenig Lust haben, Arbeiter oder Bauern zu werden, sondern eine andere Beschäftigung vorziehen. Merchawiah (Siedlungsgenossenschaft). Der Mittelweg, der hier einzuschlagen ist, scheint uns der zu sein daß die neuen Einwanderer zwar sofort als Arbeiter in die von jüdischen Gesellschaften (Nationalfonds, Oelbaumspende usw.) unterhaltenen landwirtschaftlichen Betriebe eintreten, daß sie aber wenigstens ein Jahr lang die Stelle von Lernenden einnehmen müssen, das heißt mit anderen Worten, daß der Lohn, den diese Arbeiter erhalten, aus zwei Teilen zusammengesetzt ist: der erste Teil bildet den Gegenwert ihrer (noch geringen) Arbeitsleistung und der andere Teil bildet den Betrag, den die Gesellschaft (oder eine dritte Gesellschaft) zu den Kosten der Ausbildung beisteuert. Ein Beispiel : Der Minimallohn, den ein osteuropäischer Arbeiter braucht, um seine Lebensbedürfnisse zu bestreiten, beträgt ungefähr 50 Frs. monatlich. Der Wert seiner Arbeitsleistung, gemessen an dem Arbeitslohn des arabischen Arbeiters, wird in der ersten Zeit weniger als 50 Frs., sagen wir 67