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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 66

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
Die Landarbeiterfrage in Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 66 (sequence 3)
Language
German
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das nichtjüdische Element in der Kolonie stärker als das jüdische Element und der jüdische Charakter der Kolonieen muß dadurch notgedrungen leiden — ganz abgesehen davon, daß die Ueberzahl der Nichtjuden in kritischen Zeiten überhaupt die Existenz der ganzen Kolonie in Frage stellen kann. Gibt man hiernach die Notwendigkeit eines jüdischen Landarbeiterstandes zu, so erhebt sich die Frage: wie läßt sich ein jüdischer Landarbeiterstand schaffen? Aus weichern Grunde sollen die Juden, die seit 2000 Jahren Städter und dem landschaftlichen Berufe fremd sind, als Arbeiter zur Landwirtschaft zurückkehren? Was soll die Juden, die in den Städten im Handel, Handwerk oder in anderen freien Berufen die Möglichkeit derselben Beschäftigung haben, die ihre Väter hatten, veranlassen, mit diesen Berufen zu brechen und sich als Landarbeiter der Landwirtschaft zuzuwenden? In den relativ wenigen Fällen, in denen dies bisher geschah, bildeten ideale Gründe (Freude an der Natur, nationale Motive) die treibende Kraft. Ohne aber die Bedeutung dieser idealen Motive zu verkennen, steht es doch für uns fest, daß sie in der Gegenwart nicht auf die Masse, sondern nur auf einzelne von Wirkung sein können. Und auch auf diese einzelnen muß ihre Wirkung nachlassen und sie werden den in der Stunde der Begeisterung gewählten Beruf schließlich wieder aufgeben, wenn dieser Beruf sich ökonomisch nicht als vorteilhaft erweist. Damit wird für uns die Frage zu einer rein ökonomischen Frage und sie kann etwa dahin formuliert werden: welche Bedingungen müssen in Palästina geschaffen werden, damit die Juden in dem Einströmen als Arbeiter in die palästinensische Landwirtschaft eine Verbesserung ihrer ökonomischen Lage finden? Wir müssen diese Frage für die beiden Gruppen von Juden, die hierbei in Betracht kommen, nämlich für die osteuropäischen Juden und zweitens für die orientalischen Juden getrennt beantworten, weil die ökonomische Lage und die Psychologie dieser beiden Schichten verschieden sind. A) Die osteuropäischen Juden. Drei Möglichkeiten sind es, die zu schaffen sind, um dem osteuropäischen Juden die Tätigkeit als landwirtschaftlicher Arbeiter in Palästina anziehend zu machen, und zwar: 1. Die Möglichkeit sich landwirtschaftlich auszubilden, 2. die Möglichkeit sich dem landwirtschaftlichen Milieu Palästinas anzupassen, und 3. die Möglichkeit wirtschaftlich vorwärts zu kommen. l.Die landwirtschaftliche Ausbildung. Der neue Einwanderer versteht in der Regel von der Landwirtschaft garnichts und es ist leicht verständlich, daß er aus diesem Grunde von den Kolonisten nicht gern als Arbeiter angenommen wird, und daß er dort, wo er angenommen wird, sich mit einem sehr geringen Lohn begnügen muß, weil er an dem billigen und an landwirtschaftliche Arbeit gewöhnten Araber eine gefährliche Konkurrenz hat. 66

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