Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gründer
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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schrecklichen Krise, die jetzt in Jerusalem überall herrscht und besonders noch in den „Jeschibot". So sind wir zur Ueberzeugung gekommen, daß wir kein Ziel vor unseren Augen finden. Der Brauch, zu achtzehn Jahren unter den Traualtar zu gehen, hat aufgehört und überhaupt sehen wir die Welt nicht mehr so an, wie ein Kapporahahn den „Benei Adam" *). Wir begannen nun nachzufragen, mündlich und schriftlich, durch die Zeitungen: „Wohin? Was tun?" Lernen wir ein Handwerk, wenn es auch nicht zu spät für unser Alter wäre — was sieht sich dabei heraus? Bekanntlich können die Handwerker hier in Jerusalem wie in Palästina überhaupt ihr Auskommen nicht finden und müssen aus dem Lande gehen, wir aber wollen unbedingt in Erez Israel bleiben. Wir wollten in die Kolonien als Arbeiter gehen und schickten zwei von uns dorthin, um nachzufragen, diese kehrten aber zurück und erzählten, daß es dort — leider! — keine Einheit gibt zwischen den Kolonisten und Arbeitern, es herrscht ein Zustand von „Sie stießen sich" **) — wir aber sind friedliebende Menschen und möchten leben wie unser Vater Jakob, der, hätte er nicht wegen seiner Erstgeburt nach Padan Aram ziehen müssen, sicherlich von seinem Vater Isak eine Anzahl von Ziegen und Schafen verlangt hätte, um ein gewöhnlicher Hirte in Erez Israel zu sein. Um wieviel eher können wir, jeder von seinen Eltern zehn Ziegen und zehn Schafe verlangen, dann schließen wir untereinander einen Bund, lassen uns in der Umgebung von Chederah nieder, wo es eine gute Weide gibt, weiden unser Vieh, bereiten unseren Käse, wie geschrieben steht: „Sie werden süß sein deinem Gaumen" und leben wie die „Stämme des Herrn in den Tagen der Vergangenheit". „Bei Chederah? Und fürchtet ihr das Fieber nicht, das dort zuhause ist?" „Ist für den Todesengel ein Unterschied zwieschen hier und dort? Und an das Fieber sind wir gewöhnt. „Gott ist ein Hüter der Einfältigen und mit Gottes Hilfe werden wir am Leben bleiben." „Und wo werdet ihr wohnen?" „In Zelten, wie einstmals die Rechabiter ***). Wenn man zur Zeit des Tempels so wohnen konnte, umso eher heute . ." „Wieviele seid ihr?" „Ungefähr fünfzehn." „Und fürchtet ihr nicht, daß die benachbarten Beduinen und Fellachen euch schlagen und euch die Schafe rauben werden?" „Rauben, schlagen, wofür?" rief der junge Mann und fuhr vom Sitze auf. „Und wozu sind w i r da? — Und weiden wir denn auf fremdem Boden? Glauben Sie, die Araber wissen nicht, daß dieses Land Israels Land ist und wir Kinder Israels? Sorgen Sie nicht! Nicht einmal dann würden Sie mit uns streiten, wenn wir uns in der Wüste mitten unter ihnen niederließen und nun gar im Gebiete der Kolonien . ." „Ab2r die Araber waren immer mit den Kolonisten in Streit und noch jetzt haben sich die Zustände noch nicht gebessert." *) Der Hahn, der vor dem Versöhnungstage geschlachtet wird; Benei Adam, das dabei gesprochene Gebet. **) Bibelstelle, auf Esaus und Jakobs Geburt bezogen. ***) Eine messianistische Sekte in der Zeit der Propheten. 51