Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Gründer
Date
1912-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379848-2379851-2415666--04045-2415710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Das beweist gar nichts. Die Kolonisten waren ganz „grün" zu jener Zeit, da sie sich niederließen, sie konnten nicht „naharak Said"*) auf arabisch sagen, konnten nicht auf einem Esel reiten, geschweige denn auf einem Pferd. Wir aber werden selbst von den Arabern genannt, walad el beled**). Du Herr versuch' es nur und gebe mir ein Reitpferd, ich soll einen Brief nach Jericho bringen oder nach Mudba oder Kerak . . ." „Seid Ihr denn schon auf einem Pferde geritten?" „Worauf reite ich denn vor jedem Pessach, wenn ich zu den Feiertagen zu meinem Onkel Herschel nach Saffed gehe?" „Könnt Ihr auch arabisch schreiben?" „Das gerade nicht, wir haben es nicht gelernt. Sprechen können wir wie echte Araber, aber weder lesen noch schreiben — und auch darin sind wir übrigens den Beduinen und Fellachen ähnlich. Ja, wenn wir arabisch oder türkisch schreiben könnten, dann könnten wir alle Beamte werden im Serail. Einer von meinen Kollegen hat in „ihrer Sprache" schreiben können und ist infolgedessen Polizeibeamter geworden." „Hm, das sollten sie nicht sagen, mein lieber Reb Feitel, Beamter oder Offizier zu werden — danach pflegt man im Golus zu streben." „Darin eben hat der Herr Recht, aber „die Torah redet doch auch in menschlicher Sprache" — übrigens habe ich im Laufe der Rede Unsinn gesprochen. In Wirklichkeit sind mir die Viehzucht und Käsebereitung lieber als alle Beamtenstellen der Welt. Und wenn Gott es will, werden wir auch schließlich zu dem ersehnten Ziele kommen, nämlich zum Ziele unseres Secharjah." „Woher versteht ihr aber Schafe zu züchten und Käse zu machen?" „Hm, eine große Kunst! Wenn uns die schwierigsten „Pilpulim"***) der rabbinischen Werke ganz geläufig sind, wird es dann für uns schwer sein, eine Ziege zu weiden und zu melken und die gesäuerte Milch auszukochen, bis daraus Käse wird?" „Und euer Kollege Secharjah wird auch unter den Hirten sein?" „Nein, Gott behüte! Er ist ein ganz anderer Mensch! Er und noch zwei seiner hervorragenden Kameraden sind Teilnehmer nur nach Art des Issachar. Wir werden das Weltliche besorgen wie Sabulun f) und Secharjah und seine Kameraden werden dem Studium der Torah obliegen, wie Issachar." „Wird sich denn Secharjah ausschließlich der Torah hingeben?" „Der Torah, den Gesetzen, den Wissenschaften und allem, was ihm nötig ist zu seinem Zweck — den wir alle billigen, worüber aber Secharjah selber mit dem Herrn sprechen wird." „Gut, dann möge euer Freund Secharjah selber zu mir kommen, morgen, oder wann er will." „Schalom! Und — möchte uns der Herr nicht einen Empfehlungsbrief nach Chederah geben?" „Gut! Wir werden sehen — bis ich mit Secharjah gesprochen habe." „ (Fortsetzung). . . ... cüt *) Arabisch guten Tag! **) Kinder des Landes. ***) Pilpul wörtlich Pfeffer, etwas gepfefferte Dispute, f) Söhne Jakobs. Anspielung auf den Segen Jakobs. 52

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.