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Palästina · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Gründer
Date
1912-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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„Sitzen, nicht sitzen — ganz gleich! Ich möchte nur vorerst wissen, ob der Herr es ist, der den Artikel über die „Jeschibahzöglinge" verfaßt hat. „Und wenn?" „Wenn Sie nun der Verfasser des genannten Artikels sind, werde ich fragen, ob mein Kollege Secharjah, der auch in den Zeitungen schreibt, kommen darf, um mit Ihnen über eine Angelegenheit zu sprechen, die eigentlich zwei wichtige Angelegenheiten in sich schließt. Und wenn Sie sich wundern, warum ich, Feitel, selber nicht darüber spreche, dann wollen Sie wissen, daß ich ein gewöhnlicher „Jechibah-Bachur" bin, während Secharjah, obwohl er erst zweiundzwanzigjahre zählt, bereits die „Semichah"*) bekommen hat und auch ein großer Schreiber ist, im wahren Sinne des Wortes. Dies alles sprach der Jüngling, während er noch über meinem Sessel stand, indem er unausgesetzt mit seinen Händen an den Locken und an den Kleidern herumstrich, fast wie ein Mädchen, das sich schön machen will. Manchmal berührte er auch sein mit Flaum bedecktes Kinn, als wollte er sich davon überzeugen, ob er bereits einen Bart habe. Dieser Jüngling, mit seiner Mischung von Schüchternheit und Zudringlichkeit — was vielleicht daherrührte, daß er nicht mit Menschen verkehrte — mit seinem sommersprossigen Gesicht, in dessen Zügen Einfalt und kindische List zugleich ausgeprägt waren — begann mich zu interessieren. Da ich aber sah, daß er selber sich nicht setzen werde, drückte ich ihn etwas gewaltsam auf den Sessel und forderte ihn auf, mir doch von seiner Angelegenheit zu erzählen, fragte ihn auch, warum er Secharjah nicht mitgebracht habe. Mein Gast nahm seine Pelzmütze vom Kopfe, blies ihr ein wenig den Staub ab, setzte sie wieder auf und fragte mit ersichtlicher Vertraulichkeit: „Ist es erlaubt zu rauchen?" „Wozu die Frage? Ich rauche zwar nicht, aber Sie können tun, wie's Ihnen beliebt." Der Jüngling schob seinen Kaftan zurück, zog aus seiner Hosentasche eine Blechtabaksdose, nahm daraus eine angerauchte Zigarre und zündete sie an. „Jetzt will ich erzählen. Aber da mir der Herr das Rauchen erlaubt hat, wird er mir auch gestatten, den blühenden Mandelzweig, der durchs Fenster hereinhängt, wegzuschieben." „Gut, mein Lieber, tun Sie, wie's Ihnen angenehm ist." „Mit Gottes Hilfe kommen wir auch dazu. Also ich, Feitel und mein Freund Secharjah, haben nicht beide kommen können. Die Sache ist zwar nur eine, aber hier ist wieder mein Anteil und dort der seine; während der seine mehr auf das allgemeine Wohl zielt, ist mein Anteil mehr auf das eigene gerichtet. Für mich wäre es zum Beispiel am wichtigsten zu erfahren, ob Käse ein gutes Unternehmen ist." „Käse?" ,.Ja mein Herr", erwiederte der Jüngling mit einem schlauen Ausdruck und doch etwas beschämt. „Warum wundert es den Herrn so, daß ich über Käsebereitung spreche; noch mehr werden Sie sich wundern, wenn ich von Viehzucht sprechen werde. Der Herr weiß aber doch von der *) Eine Art Rabbinatsdiplom. 50

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