Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Bedeutung der Olivenkultur
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Hebron 2× ep/1047559
- Beirut 1× ep/1047833
- Safed 1× ep/1046078
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Libanon, ganz besonders südlich von Beirut, in großer Ausdehnung mit Olivenhainen bedeckt. Im Westjordanlande von Palästina ist der Oelbaum überall häufig und tritt oft in großen Hainen auf. Fast alle Dörfer sind von solchen umgeben. Oft beeinflußt er den Landschaftscharakter ganz auffallend, indem er, als einziger Baum über die kahlen felsigen Hänge verstreut, denselben Leben gibt. Bei Jerusalem, dessen Oelberg noch heute mit Oelbäumen dünn übersät ist, also in Höhen von 700 — 800 Metern, bei Bethlehem, dessen christliche Bewohner Olivenholz zum Andenken für die Pilger verarbeiten, bei Hebron in noch etwas größerer Höhe gedeiht er vorzüglich. Die südlichsten Standorte der Oelbäume in Palästina dürften jetzt bei einem Dorfe etwa 25 Kilometer südlich von Hebron sich befinden. Ungeheure Olivenhaine mit mächtigen alten Bäumen, die außerordentlich fruchtbar sind, dehnen bich im sandiger, marinen Schwemmlande des alten Philisterlandes aus, in der Gegend von Gaza und Askalon, bis in die Umgebung von Jaffa. Bei Ramien ist ein in einem Quinkunx gepflanztcr Hain eine auffällige Erscheinung, die man auf fränkische Pflanzer in der Zeit der Kreuzzüge zurückführt. Schöne Olivenhaine finden sich nordwestlich von Jerusalem. Auch die Hügel um die kleine Ebene bei Nablus sind rings mit Oelbäumen bedeckt, ebenso die Hänge des Karmel und die Höhen bei Nazarcth und Safed, wie überhaupt Galiläa reich an Frucht- und Oelbäumen ist. Die Täler, welche der Quellbach des Jordan durchfließt, sind von solchen gefüllt. So reich aber Palästina auch heute noch an Oelbäumen ist, so muß es doch nach der Rolle, welche der Oelbaum in der Bibel spielt, im Altertum unendlich viel reicher daran gewesen sein. Hoffentlich wird man einst von Palästina dasselbe behaupten können, was ein Reisender von Kreta berichtet, daß nämlich „alle Hügel, Berge, Ebenen, Anhöhen, kurz jeder Ort, der nur einen Oelbaum aufnehmen kann, im Ueberfluß damit versehen ist." Im Ostjordanlande sind infolge der größeren Trockenheit die Bedingungen für Baumzucht überhaupt ungünstiger. Immerhin finden sich dort noch hier und dort ansehnliche Olivenhaine, meist freilich nur in den wasserreicheren Tälern. Im Gebiet des Flusses Jarmuk findet man bloß um das Dorf Sahem 7000 Oelbäume. Zuweilen finden sich größere Haine noch in der beträchtlichen Höhe von 1CO0 Metern. Neue Versuche in dem fruchtbaren Hauran ergaben, daß auch diese Landschaft Oiivenzucht in großem Stile treiben könnte. Südlich von Palästina, wo auch südlich von Hebron in Felsen gehauene Oelkeltern in heute menschenleerer Steppe von ehemaliger Olivenzucht zeugen, scheinen bei Petra von alters her Olivenhaine zu bestehen, nach denen der dortige Scheich geradezu Abu Zeitun, d. h. der Vater der Oliven genannt wurde. Südlich von hier, am Sinai, wird der Oelbaum seltener, um dann in Arabien zu verschwinden. Im Norden Palästinas ist vor allem die große Berieselungsoase von Damaskus hervorzuheben, deren wichtigster Baum der Oelbaum ist, dasselbe gilt von der Oase um Horns und Hamah; auf dem nordsyrischen Tafellande finden sich noch heute allenthalben Olivenhaine, wie sie auch nur die dürftigen Reste einer besseren Vergangenheit sind. Oelpressen aus schweren Basaltplatten findet man allenthalben im östlichen Nord- 36