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Palästina · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Über die Bedeutung der Olivenkultur
Date
1912-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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wo Getreide- und Weinbau nicht mehr lohnend ist. Ebenso gedeiht er vorzüglich in dem Sande des Philisterlandes. Der Baum kommt in Höhen von vielen 100 Metern vor. Am Hermon findet man Olivenhaine in Höhen von 700 und südöstlich vom Toten Meere bei Kerak noch in Höhen von 1000 Metern. Die Bäume werden sehr alt. Bereits oben war von den uralten Bäumen im Garten Gethsemane bei Jerusalem die Rede. Man nennt in Palästina solche alte Olivenbäume die „griechischen", was auf ihr Alter schließen läßt, ähnlich wie man die alten Bäume in Sizilien „sarazenische" oder in Tripolis „Pflanzungen der Pharaonen" nennt. In Syrien fällt die Blütezeit des Oelbaumes meist in den März oder April. Bei voller Reife sind die Früchte blauschwarz, vor Eintritt der Reife grün, doch gibt es in Syrien bei voller Reife auch weiße Oliven. Hochgeschätzt sind die großen grünen Oliven bei Damaskus. Man legt die Speiseoliven in Syrien zwei Wochen ins Wasser, dem ein Teil Kalk und zwei Teile Alkali zugesetzt sind, um ihnen den bitteren Geschmack zu nehmen, wobei freilich ein Teil des Aromas verloren geht. Die Art der Oelgewinnung ist bei den Arabern im allgemeinen ebenso primitiv wie in den Atlasländern von Marokko bis Tripolis. Dementsprechend ist auch das Oel relativ minderwertig, und auch die Seifenfabrikation steht auf niederem Niveau. Die deutschen Kolonisten haben moderne Seifenfabrikationsbetriebe und Oelmühlen eingeführt. So erzeugen sie in einer Seifenfabrik in Haifa auch feines Tafelöl. Auch jüdische Fabriken befassen sich mit der Verwertung des Oeles nach modernen Methoden. Während früher die Araber ihre schecht ausgepreßten Olivenrückstände nur noch als Futter verwenden konnten, werden diese heute in Palästina von modernen Fabriken angekauft, nochmals ausgepreßt, dann weiterhin mit Chemikalien behandelt, die den letzten Rest von Oel extrahieren, und auch diese Rückstände repräsentieren als Brennmaterial in dem kohlenarmen Lande noch einen gewissen Wert. Die Verarbeitung des Olivenholzes in der im ersten Kapitel geschilderten Weise wird bekanntlich in Palästina in großem Maßstab geübt. Ein Mißstand besteht in der Art der Besteuerung der Olivenernte durch die türkische Regierung. Man erntet meist im November und Dezember, muß aber häufig die Früchte in Haufen liegen lassen, bis es dem Steuerwächter beliebt, die Besteuerung vorzunehmen. Dann salzt man sie wohl ein, um zu verhindern, daß sie zu sehr faulen, beides natürlich zum Schaden des Oeles. Natürlich wäre es ratsamer die Schätzung wie in Nordtunis vor der Ernte vorzunehmen. In Syrien muß für jeden zu vollem Ertrag gekommenen Oelbaum eine Steuer von l1 2 Piaster (zirka 23 Pfennig) entrichtet werden. Vom Fuße des Taurus bis zur Wüstengrenze im Süden Palästinas, vom Gestade des Mittelmeeres bis zu der östlichen Grenze, wo, etwa 100 Kilometer landeinwärts, die übergroße Trockenheit und das Fehlen von Berieselungswasser allem Anbau ein Ziel setzt, ist der Oelbaum der charakteristische Baum des Landes, ja in manchen Gegenden von Syrien und Palästina der einzige Baum, in anderen nur mit dem Feigenbaume wechselnd. Freilich ist die Olivenzucht hier wie alle Kultur gegen früher in Verfall, und ähnlich wie in Tunesien zeugen auch hier die Trümmer von Oelpressen in manchen als kahle Steppen daliegenden Landschaften von 34

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