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Palästina · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Über die Bedeutung der Olivenkultur
Date
1912-01-01
Page
Seite 15 (sequence 8)
Language
German
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Sie liefern nicht nur schmutziges und ranziges, sondern auch zu wenig Oel, wodurch jährlich ungeheure Summen verloren gehen. Vielfach werden diese minderwertigen Oele durch sorgsame Behandlung verbessert und wieder auf den Weltmarkt gebracht. Oelpressen mit Dampfbetrieb sind heute auch im Orient schon verbreitet. Das beste Oel des Orients liefert Samos, wie überhaupt Olivenzucht und Oelgewinnung in Kleinasien fast ganz in den Händen der Giiechen liegt. Während die Eingeborenen in Tunis mit sehr veralteten Pressen nur zirka 60 Frs. für 100 kg erzielten, wird dieselbe Menge im modernen Betrieb mit 100 — 115 Frs. bezahlt. Die Minderwertigkeit jener Oele beruht aber auch darauf, daß man die Früchte zu lange auf dem Baume läßt, sie beschädigt, daß auch faule Oliven und Schmutz in die Pressen gelangen, daß man die Früchte salzt, 20—30 Tage liegen läßt, daß die Behälter unsauber sind, das Oel zu alt wird und dergleichen mehr. Das beste Oel hat grünliche Farbe, oft mit einem Stich ins rötliche; je reifer die Oliven, umso gelber das Oel. Man kauft gewöhnlich letzteres, weil es geruchlos ist. Der größte Teil des Oeles wird in den einzelnen Ländern selbst konsumiert, der geringere, der dritte oder vierte Teil wird ausgeführt. Olivenöl, aber nicht sosehr das feine Speiseöl, ist ein wichtiger Artikel des Welthandels. Aber die Rolle des Oeles im Welthandel der Neuzeit steht in gar keinem Verhältnisse zu der gewaltigen Bedeutung, die den Oelprodukten in der Geschichte, in geographischer und landwirtschaftlicher Hinsicht und in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Mittelmeerländer zukommt, wo es als Speiseöl, zur Zubereitung der Speisen" an Stelle des Fettes, zur Seifenbereitung und als Brennöl verwandt wird. Letzteres wird freilich durch das Petroleum immer mehr verdrängt. Eine große Konkurrenz ist dem Olivenöl in den in gleicher Weise verwendbaren, aber in größerer Menge und billiger zu gewinnenden Oelen tropischer Herkunft auf dem Weltmarkt erstanden: im Erdnußöl, Oel der Oelpalme, der Kokospalme usw. Vielfach ist infolgedessen die Olivenzucht weniger lohnend geworden und durch Weinbau, Maulbeerzucht usw. ersetzt worden. Relativ ist daher der Welthandel mit Olivenöl zurückgegangen. Als Leuchtstoffe werden mineralische Oele und Gase heute selbst schon in den Olivenländem benutzt. Die feinen Speiseöle aber behaupten noch immer gute Preise, während der Preis der minderwertigen Oele immer mehr zurückgeht. Das Oel findet bei uns sehr vielseitig Verwendung: zur Bereitung von Speisen, von Haaröl, von Silben, von Farben, zur Seifenbereitung, zum Schmieren der Maschinen, zur Herstellung gewisser Webstoffe usw. Vergegenwärtigt man sich also, welche immerhin bedeutenden Summen jahraus jahrein durch die Ausfuhr von Olivenöl (es gelangen etwa 60 Millionen kg im Weite von 60 Milionen Frs. in den Welthandel) in die Mittelmeerländer gelangen, und daß der Verbrauch im Lande selbst wohl das Doppelte und Dreifache ausmacht, so erscheint die wiitschaftliche Bedeutung des Oeles für diese Länder doch als außerordentlich groß. In einzelnen, wie etwa in Tunesien, bildet sie den Grundpfeiler, auf dem das ganze wirtschaftliche Leben ruht, ja in ganzen Landschaften, wie in Apulien und auf einzelnen griechischen Inseln hängt garadezu Wohl und Wehe der Bewohner allein von diesem einen Baume ab. Ist die Olivenernte 15

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