Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Bedeutung der Olivenkultur
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 7)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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Es gibt verschiedene Arten Oliven. Die einen dienen als Speiseoliven, die andern zur Oelgewinnung. Von großer Bedeutung ist für uns der Ertrag der Oelbäume, der natürlich von vielerlei Umständen abhängig ist. Im Durchschnitt berechnet man in Italien auf einen großen schönen Baum 110 Liter Oliven, die etwa 13 kg geben. Demnach würde ein ha höchstens an Holz und Oliven einen Rohertrag von 580 Frs. geben. Doch sind die Zahlen in den einzelnen Ländern sehr schwankend. Bei Jerusalem berechnet man den jährlichen Ertrag eines großen Oelbaumes zu etwa 8 M. Wie verschieden jedoch der Ertrag ausfällt, mag man dara* s ersehen, daß es in Tunis 1893 Oelbäume gab, die bis 35 Frs. brachten. Der Preis eines mit volltr; genden Oelbäumen bepflanzten Hektars Lan J beträgt in Frankreich 5000— 10.0C0 Frs. und mehr. Die ausgepreßten Oliven dienen als Schweinefulter oder in gepreßtem Zustande in Ziegelform als Brennmaterial. Ferner bringt das Holz Ertrag, da es nicht nur als Brennholz, sondern bekanntlich für Bildhauer-, Schreiner- und Drechslerarbeiten und dergleichen von besonders hohem Werte ist. Das Holz namentlich der Wurzelsiöcke zeichnet sich nämlich durch seine Festigkeit, die es vorzüglich Politur annehmen läßt, durch Feinheit und Unvergängüchkeit und schöne Maserung bei bl ßgelber Farbe aus. In Palästina und Italien werden ja derartige Gegenstände in Massen hergestellt. Fetner gibt das Oüvenholz sehr gute Holzkohl •, auch zu Bauzwecken wird es verwendet. Endlich dienen die Blätter auch häufig als Viehfutter. Die Rolle, die die Speiseoliven noch heute spielen, wird bei uns meist unterschätzt. Selbst die Vereinigten Staaten haben einen gewaltigen, rasch steigenden Olivenverbrauch. Die Kalifornische Olivenzucht liefert fast nur Salzoliven. Weit größer sind die Mengen Oliven, die in den Mittelmeeriändern von Arm und Reich verzehrt werden. Die Frucht ist dort geradezu eine wichtige Volksnahrung. Sie wird entweder als Salzolive allein oder als Zutat verzehrt, oder no> h häufiger in getrocknetem und künstlich wohlschmeckender gemachtem Zustande zu Brot gegessen. Die Herrichtung der Speiseolive ist einfach, aber langwierig. In den Olivenländern ist eine Mahlzeit ohne Oliven kaum zu denken. Zur Oelgewinnung verwendet man kleinere Früchte. Die Oelbereitung ist in manchen Mittelmeerländern die wichiigste, ja zuweilen die einzige Ge- , Werbetätigkeit. Das beste Speiseöl wird bei mäßiger Auspreßung der noch nicht völlig reifen, getrockneten Früchte gewonnen. So erhält man zwar weniger, aber feines Oel. Bei stärkcrem Pressen erhält man weniger gutes Oel, beim dritten Pressen Maschinenöl oder Oel zum Brennen oder zur Seifenbereitung. Mit kochendem Wasser angerührt, ist eine nochmalige Auspressung möglich, und schließlich werden die letzten Oelreste dem Brei auf chemischem Wege entzogen. Der Rest dient als Dünger oder Brennstoff. Hierauf erfolgt die Klärung des Oeles. Meist freilich ist das Verfahren weniger vollkommen und noch ein ganz primit ves. Infolgedessen werden meist minderwertige, ranzige Oeie erzeugt, die uns ungenießbar erscheinen, dem Eingeborenen aber umso besser munden. Auch die Oelmühlen sind meist noch primitiver Art urjd dies nicht nur bei den Kabylen und Arabern, sondern meist noch in Italien und Spanien. 14