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Palästina · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Über die Bedeutung der Olivenkultur
Date
1912-01-01
Page
Seite 13 (sequence 6)
Language
German
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wir erst die Schwere des Verlustes, der durch das systematische Umhauen der Bäume im Kriege entsteht. Meist wird der Olivenbaum nur mangelhaft gepflegt. Bei hochentwickelter Kultur muß der Boden jedes Jahr von Oktober bis Ma fünfmal unigearbeitet werden. Der zwischen den Baumreihen, solange die Bäume jung sind, zur Aussaat von Getreide oder Gemüse veiwertete Land>treifen wird von J ihr zu Jahr immer schmäler und fällt nach 6 Jahren ganz weg. Alle fünf Jahre wird gründlich gedüngt, alle zwei Jahre der Baum beschnitten, wobei man zugleich eine schöne Form zu erzielen suc'it. Man läßt die Bäume, um sie bequem behandeln und abernten zu können, nicht sehr hoch werden. In Tunesien z. B. gibt es sehr geschickte staatlich anerkannte Beschneiden Sich selbst überlpssen, erreicht der Baum nicht selten eine stattliche Höhe von 10 b:s 20 Metern und ein sehr malerisches Aussehen. Daß in den meisten Ländern der Baum so wenig gepflegt wird, ist vom ästhetischen Standpunkte nicht zu bedauern, da die schnurgeraden Reihen geschnittener Bäume wenig malerisch aussehen. Immer aber macht ein Olivenhain den Eindruck höchster Kultur, immer ist er ein Zeuge dessen, daß an dieser Stelle seit langer Zeit Kultur, friedliche Ordnung und höhere Gesittung herrscht. Die Blütezeit des Oelbaumes ist in den einzelnen Gegenden verschieden, sie fällt meist in die Monate März oder April. Die Olivenblüte ist sehr unscheinbar, von weißer Farbe. Obwohl es sich empfiehlt, bei Eintritt der Reife, also gegen Ende Oktober, die Ernte rasch vorzunehmen, dehnt man sie gewöhnlich aus Mangel an Arbeitskräften und Oelpressen oft Monate lang aus. Vielfach strömen Tausende von Wanderarbeitern zur Ernte herbei, und das Einsammeln und Verarbeiten zieht sich über den Winter hin. Bei besonders guter Ernte sind die Bäume derart mit den kleinen schwarzen Früchten beladen, daß man kaum die Blätter sieht. Die reife Olive ist je nach der Abart von verschiedener Größe, Farbe und Gestalt. Die Größe schwankt von der einer Kirsche bis zu der einer Aprikose, die Form ist meist mehr oder weniger oval. Ein und derselbe Baum kann gleichzeitig, je nach Zutritt von Sonne und Licht, grüne, rote und schon ganz schwarze Oliven tragen. Am wertvollsten sind die Früchte, wenn die Farbe von rot in schwarz übergeht. Zu reiche Fruchtmenge ist kein Segen, denn meist sind dann die Früchte wenig ölreich. In unreifem Zustande sind die Früchte grün. Die fleischige Hülle umschließt eine harte Nuß mit mandelartigem Kern. Nur in seltenem Fal'e, bei besonders hochwertiger Kultur, pflückt man die Flüchte auf Stehleitern einzeln ab. Gewöhnlich schüttelt man die Bäume, während das dritte Drittel mit Stöcken abgeschlagen wird. Hierbei bekommen die Früchte oft Flecken, ja auf der Beschädigung des jungen Tragholzes scheint die Tatsache zu beruhen, daß der Baum nur ein Jahr ums andere gute Frucht t'ägt. Allerdings verhalten sich die einzelnen Bäume verschieden. Auch nichtmißhandelte Bäume liefern zuweilen abwechselnd eine gute und eine mittle.e oder schlechte Ernte. Doch hat man in Kalifornien durch sorgsame Beschneidung und Pflege es erreicht, daß der Baum alle Jahre trägt. 13

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